Braucht Walking Football Gehrichter?
Wer kennt diese Situationen nicht? Hitzige Diskussionen auf dem Spielfeld um ein besonders Foul. „Du rennst schon wieder!“ gegenüber „Ich gehe halt schneller als du!“ Deshalb steht eine Frage prominent im Raum: „Braucht Walking Football Gehrichter?“

Zwischen Fairness, Kosten und sportlicher Entwicklung
Walking Football wächst – in Deutschland wie international. Die Regeln sind klar: kein Rennen, kein harter Körperkontakt, Fair Play steht über allem. Doch eine Regel sorgt seit jeher für Diskussionen: das Verbot des Rennens. Wann ist ein Schritt noch „Gehen“, wann beginnt „Rennen“?

Die Herausforderung für Schiedsrichter
Im klassischen Fußball liegt die Verantwortung beim Schiedsrichter, unterstützt von Assistenten an den Seitenlinien. Auch beim Walking Football überwacht ein Schiedsrichter das gesamte Spielgeschehen. Doch gerade in temporeichen Situationen fällt es schwer, gleichzeitig Ballführung, Zweikämpfe, Spielfluss und die korrekte Schritttechnik aller Spieler im Blick zu behalten.
Viele Schiedsrichter berichten, dass die Kontrolle der Gehregel in der Praxis eine der größten Herausforderungen darstellt. Selbst erfahrene Offizielle können nicht jede Bewegung zweifelsfrei erkennen. Diskussionen auf dem Platz sind die Folge – oft begleitet von Emotionen.
Die Idee des „Gehrichters“
Hier kommt der Vorschlag ins Spiel, einen Assistenten speziell für die Überwachung der Gehregel einzusetzen – den „Gehrichter“.
- Seine einzige Aufgabe: prüfen, ob Spieler den Bodenkontakt einhalten oder eine Flugphase (Rennen) entsteht.
- Er entlastet den Schiedsrichter, der sich auf Spielfluss, Fouls und Standards konzentrieren kann.
In England und den Niederlanden gibt es bereits Pilotprojekte mit zwei Offiziellen, von denen einer überwiegend die Gehregel im Blick hat. Die Erfahrungen sind positiv: weniger Diskussionen, klarere Entscheidungen, höhere Akzeptanz bei den Spielerinnen und Spielern.
Argumente für den Gehrichter
- Fairness: Strittige Situationen werden schneller und objektiver geklärt.
- Spielakzeptanz: Spieler respektieren Entscheidungen eher, wenn klar ist, dass jemand die Gehregel ausschließlich beobachtet.
- Entlastung: Der Schiedsrichter kann sich stärker auf Spielverlauf und Fouls konzentrieren.
Argumente gegen den Gehrichter
- Kostenfaktor: Jeder zusätzliche Offizielle verursacht Aufwand – sei es durch Spesen, Ausrüstung oder Schulung.
- Organisatorischer Mehraufwand: Mehr Offizielle bedeuten auch mehr Koordination, besonders bei kleineren Vereinen oder Freizeitevents.
- Gefahr der Bürokratisierung: Manche befürchten, Walking Football könne dadurch zu sehr „verregelt“ werden – und die niederschwellige, inklusive Idee verlieren.

Ein oder zwei Gehrichter?
Auch hier gehen die Meinungen auseinander:
- Ein Gehrichter reicht auf kleineren Feldern oder bei Freundschaftsspielen. Er kann sich flexibel bewegen und den Schiedsrichter punktuell entlasten.
- Zwei Gehrichter – jeweils an den Längsseiten – bieten den besten Überblick bei Turnieren oder internationalen Begegnungen. So wird die Gehregel von beiden Seiten kontrolliert und Fehlentscheidungen werden minimiert.
Stimmen aus der Praxis
- Schiedsrichter: „Es ist unmöglich, in jedem Moment alles gleichzeitig zu sehen. Ein Gehrichter würde uns enorm helfen.“
- Spieler: „Wir wollen fair spielen – aber es frustriert, wenn einer ständig läuft und es nicht abgepfiffen wird. Ein zusätzlicher Offizieller würde das lösen.“
- Vereinsvertreter: „Bei Freundschaftsspielen brauchen wir keine drei Offiziellen. Aber bei großen Turnieren ist es eine gute Idee.“
- Organisatoren: „Zwei Gehrichter bedeuten doppelte Kosten. Bei kleinen Budgets ist das schwer umzusetzen.“
Situationsabhängige Lösung
Die Diskussion zeigt: Ein generelles „Muss“ für Gehrichter gibt es nicht. Vielmehr könnte sich ein flexibles Modell durchsetzen:
- Lokale Spiele & Training: ein Schiedsrichter reicht, die Gehregel wird pädagogisch erklärt und korrigiert.
- Offizielle Turniere & Ligen: mindestens ein Gehrichter, besser zwei, um Transparenz und Fairness sicherzustellen.
Walking Football steht für Fairness, Gesundheit und Gemeinschaft. Damit diese Werte auch auf dem Platz gelebt werden, braucht es eine klare Regelüberwachung. Ob durch einen oder zwei Gehrichter – entscheidend ist, dass alle Spieler das Gefühl haben: Hier geht es fair zu.


Solange es in Deutschland keine einheitlichen Regeln gibt wird es für Schiedsrichter schwierig sein. Jeder Schiedsrichter hat eine andere Auffassung, was laufen ist und was nicht. Wir Schiedsrichter können nicht alles sehen im WF, aber wir geben uns sehr viel Mühen.
Lieber Sportfreund Daniel,
vielen Dank für deinen wertvollen Kommentar!
Du sprichst einen ganz wichtigen Punkt an: Ohne einheitliche Regeln wird es für Schiedsrichterinnen im Walking Football tatsächlich schwierig, konsequent und fair zu pfeifen. Dass jeder eine andere Auffassung davon haben kann, was noch Gehen ist und was schon Laufen – das zeigt, wie groß die Herausforderung ist.
Umso mehr verdienen dein Engagement und der Einsatz aller Schiedsrichter im Walking Football großen Respekt. Ihr sorgt mit viel Mühe und Herzblut dafür, dass Spiele überhaupt stattfinden können – und dafür sind wir euch sehr dankbar!
Hallo,
ich spiele seit einem Jahr Gehfußball.
Ich glaube, ich muss mal eine Lanze für alle Gehfußball – Schiedsrichter brechen.
Hut ab vor jedem der sich freiwillig entscheidet, als Schiedsrichter beim Gehfußball zu pfeifen.
Gerade bei den Altfussballern weiß doch jeder alles besser und genauer!
Ein Gehrichter würde dem Schiri guttun und ihm auch den gewünschten Spielraum und Respekt zurückgeben.
Danke an alle Gehfußball – Schiris 👍🫶🏻
Lieber Ralf,
vielen Dank für deine wertschätzenden Worte! 🙏
Es ist großartig zu lesen, dass du dich so klar hinter die Gehfußball-Schiedsrichter stellst. Dein Hinweis auf den oft nicht einfachen Umgang mit den „alten Hasen“ im Fußball trifft den Nagel auf den Kopf – umso mehr verdienen die Schiris unseren Respekt. 👏⚽
Ein „Gehrichter“ als zusätzlicher Begleiter ist absolut eine sehr spannende Idee, die sicher zu mehr Gelassenheit und Fairness beitragen könnte.
Danke für deinen positiven Beitrag und weiterhin ganz viel Freude beim Gehfußball! 💪🙂