Verbindlichkeiten der WF-Regelwerke
„Auf die UEFA warten? Die Debatte um einheitliche Walking-Football-Regeln“
Eine Frage des Torwarts? – Pro und Contra auf dem Prüfstand
Am 28. August 2025 veröffentlichte Rolf Allerdissen den Artikel „Eine Frage des Torwarts?“ auf Gehfußball Deutschland und brachte damit eine zentrale Diskussion ins Rollen: Soll Deutschland auf eine offizielle UEFA‑Richtlinie warten, die vorschreibt, europaweit nach dem englischen Walking‑Football‑Regelwerk zu spielen – oder sollen die bisherigen DFB‑Regeln weiterhin Bestand haben? Eine ausführliche Analyse der Argumente auf beiden Seiten.

Pro: Vorteile einer Orientierung am englischen Standard
1. Internationaler Standard & Einheitlichkeit
Die englische Walking‑Football‑Association (WFA) hat ein umfassendes, regelmäßig überarbeitetes Regelwerk („Laws of the Game“) entwickelt – seit 2011 kontinuierlich in Abstimmung mit Vereinen und Schiedsrichtern. Eine europaweite Anerkennung durch die UEFA würde international verbindliche Standards schaffen – ideal für grenzüberschreitende Wettkämpfe und klare Vergleichbarkeit.
2. Sicherheitsaspekte und gesundheitlicher Fokus
Die WFA-Regeln beinhalten klare Sicherheitsvorgaben: kein Körperkontakt, keine Kopfballspiel, Ballhöhe-Beschränkungen, indirekte Freistöße, spezielle Umgangsformen bei Foulspielen – alles entwickelt mit Blick auf die ältere Zielgruppe des Sports. Eine bundesweite Übernahme würde Gesundheits- und Präventionsstandards stärken.
3. Förderung des internationalen Wettbewerbs
Wenn die UEFA den englischen Standard verbindlich macht, könnte Deutschland sportlich besser in internationale Strukturen integriert werden – etwa in eine Walking‑Football‑Champions‑League oder FIWFA-Wettbewerbe. Einheitliche Regeln erleichtern Teilnahme und Vergleich.

Contra: Argumente für die Beibehaltung der DFB-Regeln
1. Anpassung an nationale Bedürfnisse und Kultur
In Deutschland existieren bereits Walking‑Football‑Formate ohne Torwart (6 Feldspieler, 3 × 1 m Tor) – diese fördern Inklusion, Ballkontakte und reduzieren Verletzungsrisiken durch „fliegende Keeper“. Diese Varianten sind pragmatisch und passen zur Infrastruktur und Philosophie des deutschen Breitensports.
2. Variantenvielfalt als Stärke
Rolf Allerdissen schlägt vor: Der Torwart passt bei Wettkämpfen, die welt-/europaweit ausgerichtet sind; das torwartfreie Modell eignet sich besser für Freizeitsport und Gesundheitstraining. Diese Zweigleisigkeit erlaubt maximale Flexibilität.
3. Partizipation der lokalen Akteure und Eigenständigkeit
Viele deutsche Walking‑Football‑Initiativen haben eigenständig Modelle entwickelt, die den lokalen Bedingungen entsprechen. Eine strenge Vorgabe durch die UEFA könnte die Partizipation oder Identifikation erschweren – vor allem bei kleineren Gruppen und regionalen Clubs mit eigener Tradition.
Für die Diskussion: „Eine Frage des Torwarts?“ im Kontext
Rolf Allerdissens Artikel liefert einen prägnanten Einstieg in die Debatte: „England … mit Torwart – weil vertraut“ vs. „Deutschland … ohne Torwart – effizienter, alle aktiv“. Er schlägt vor, beide Modelle je nach Einsatzzweck zu nutzen. Das zeigt: Walking Football ist nicht binär, sondern eine lebendige, anpassungsfähige Sportart.
Warten oder nicht warten?
| Option | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Warten auf UEFA‑Richtlinie | Einheitliche Regeln, internationale Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheitsstandards | Mögliche Überbürokratisierung, Verlust lokaler Vielfalt |
| Beibehaltung der DFB‑Modelle | Flexibilität, Identität, praxisnahe Anwendung | Fehlende Einheitlichkeit, erschwerte internationale Integration |
Am Ende liegt die Entscheidung im Abwägen zwischen internationaler Harmonisierung und regionaler Autonomie: Beide Ansätze haben ihre Berechtigung. Vielleicht ist die pragmatischste Lösung tatsächlich die, die Rolf Allerdissen vorschlägt: ein hybrides Modell, das je nach Kontext – Wettkampf oder Freizeit – flexibel bleibt.
In einer vorabgeführten Diskussion bildeten sich weitere Meinungen von erfahrenen Walking Football Spielenden.
Fußball-Authentizität: Für andere ist Fußball ohne Torhüter kein „echter“ Fußball, weil ein wesentliches Spielelement fehlt.
Gesundheit & Sicherheit: Viele ältere Spieler wollen nicht das Risiko eingehen, als Torwart harte Schüsse abzubekommen.
Bei 6 Feldspielern steht oft ein Abwehrspieler dauerhaft am Torkreis, nur um überraschende Fernschüsse auf das leere Tor abzuwehren. Dieser Spieler ist zwar wichtig, aber seine Rolle ist nicht wirklich herausfordernd. Mit einem richtigen Torwart wird das Spiel dynamischer und auch fußballtypischer.
Ohne Torhüter müssen alle Feldspieler stärker defensiv mitarbeiten, was mehr Dynamik und Bewegung für alle erfordert. Ein fester Keeper reduziert diese gemeinsame Verantwortung.


Für den breiten Freizeitsport Walking Football ist das Spielen ohne Torwart leichter zu organisieren da sich nur sehr wenige Teilnehmer bereit erklären die Torwartfunktion einzunehmen. Außerdem sind dadurch alle Teamspieler gefordert gleichzeitig offensive wie auch defensive Aufgaben zu bewältigen und somit kommt mehr Bewegung ins Spiel.
Da stimme ich Ihnen voll zu: Für den breiten Freizeitsport ist die Variante ohne Torhüter oft leichter zu organisieren. Kaum jemand meldet sich freiwillig für die Torwartrolle, und ohne festen Keeper übernehmen alle gleichzeitig offensive und defensive Aufgaben – das sorgt für mehr Bewegung, Einbindung und Spielfluss.
Ergänzend: Wenn in internationalen Spielen ein Torwart benötigt wird und jemand diese Aufgabe übernimmt, gewinnen die fünf Feldspieler erfahrungsgemäß noch einmal ein klareres Verständnis für gemeinsame Defensivarbeit (Staffelung, Absicherung, Pressing-Trigger im Gehen). Das stärkt insgesamt die Teamorganisation.