Langsam, aber lebendig – Walking Football in Finnland

Wie die „Eternal Movers“ aus Helsinki zeigen, dass Bewegung keine Altersgrenze kennt

„Man muss nicht schneller werden – man muss dranbleiben.“
Sportfreundin Arja Isoaho über Walking Football, Gemeinschaft und Bewegung als Lebenselixier

Montag ist Walking-Football-Tag in Helsinki. Für Sportfreundin Arja Isoaho ist das kein Pflichttermin, sondern ein Fixpunkt der Woche – ein Ort, an dem Bewegung, Gemeinschaft und Lebensfreude zusammenkommen. Ihre Geschichte steht exemplarisch für das, was Walking Football in Finnland gerade leise, aber nachhaltig bewegt.

Ein Einstieg mit Folgen

Arja Isoaho betrat im Mai 2023 zum ersten Mal ein Walking-Football-Training. Danach kam die Sommerpause – doch im August ging es weiter, inklusive des ersten Turniers beim Kukonori Cup. Was sie gehalten hat, war nicht nur die Spielform, sondern vor allem die Atmosphäre: „Wirklich nette Mitspielerinnen und Mitspieler – und natürlich die Liebe zum Fußball.“ Mehr Motivation braucht es nicht.

Ein Team, viele Altersstufen – ein Ziel

Heute trainiert Arja mit einer Gruppe von gut 30 Aktiven, rund 20 davon regelmäßig. Die Altersspanne reicht von etwa 60 bis 76 Jahren, einige Jüngere sind ebenfalls dabei. Trainiert wird einmal pro Woche in der Pallomylly-Halle in Helsinki, im Sommer zusätzlich auf dem benachbarten Kunstrasen. Die Bedingungen? „Sehr gut – dank der Unterstützung der Stadt.“

Was Arja besonders schätzt, ist der Teamgeist. Training und Spiele wirken wie ein sozialer Katalysator: „Die Montagseinheiten sind ein positiver Start in die ganze Woche.“ Ein Satz, der mehr sagt als jede Statistik.

Die „Eternal Movers“

Der Name des Teams ist Programm: Eläkeliitton Ikiliikkujat – übersetzt „Eternal Movers“. Anfangs lief Walking Football als Projekt mit Fördermitteln, Anfang 2024 wurde daraus ein fester Verein. Das Ziel: in jedem Alter aktiv bleiben – ohne Leistungsdruck, aber mit Anspruch.

Neue Spielerinnen und Spieler findet das Team über Facebook-Seiten der Stadtteile, Aushänge in Bibliotheken und Sporthallen, die Website des Rentnerverbands – und ganz klassisch über persönliche Empfehlungen. Mundpropaganda funktioniert auch jenseits der sozialen Medien erstaunlich gut.

Gemeinsam statt getrennt

Männer und Frauen spielen gemeinsam. Zwar sind Männer zahlenmäßig stärker vertreten, doch Erfahrung wird nicht hierarchisch ausgespielt. „Alle spielen zusammen – unabhängig von ihrem fußballerischen Hintergrund“, sagt Arja. Durch Kooperation gleichen sich Unterschiede aus, was sich sowohl im Training als auch in Spielen bemerkbar macht.

Unterstützung – und Wünsche

Getragen wird das Projekt vom eigenen Verband, dem Pensioners’ Union, sowie von der Stadt Helsinki. Ein Mitgliedsbeitrag von 25 Euro hilft, Kosten zu decken. Für die Zukunft wünscht sich Arja jedoch mehr kommunale Unterstützung – schließlich hat die Stadt zugesagt, Bewegung im Alter gezielt zu fördern.

Wettbewerb mit Maß

Freundschaftsspiele und Turniere gehören dazu. Aktuell nimmt das Team mit zwei Mannschaften an der Winterliga der Metropolregion Helsinki teil. Drei weitere Teams sind ebenfalls dabei. Der sportliche Ehrgeiz ist da: sauberes Passspiel, Erfolge in Spielen, vielleicht sogar bei finnischen Meisterschaften. Doch Arja betont: „Am wichtigsten ist, dass die Freude am Spiel immer erhalten bleibt.“

Blick über die Grenze

Walking Football wächst in Finnland stetig. Organisationen wie Kukonori und der Rentnerverband haben viel Vorarbeit geleistet, Fußballvereine ziehen langsam nach. Internationale Spiele sieht Arja als große Chance: neue Impulse, neue Perspektiven – und gemeinsame Reisen. Besonders Estland reizt, nicht zuletzt wegen der häufigen Fährverbindungen zwischen Helsinki und Tallinn.

Bewegung als Medizin

Herausforderungen gibt es dennoch: Finanzierung, Fördermittel, Anerkennung. Doch für Arja ist der Nutzen eindeutig. Walking Football steigert Fitness, Wohlbefinden und soziale Bindung. Ergänzt wird das Training durch Badminton und andere Sportarten – Abwechslung hält beweglich.

Ihre Botschaft an Walking-Football-Teams in ganz Europa ist klar und herzlich:
Habt Spaß am Training. Pflegt den Gemeinschaftsgeist. Bewegung ist Medizin.

Oder, um es nordisch nüchtern zu sagen: Man muss nicht laufen, um weit zu kommen. Man muss nur gemeinsam gehen.

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