Zeist, Zentrum der Zukunft
Wie der KNVB Campus Walking Football auf die große Bühne hebt
Als man 1965 zum ersten Mal durch den Wald bei Zeist fuhr, war hier „nur“ ein Sportzentrum: ein paar Plätze, Funktionsgebäude, Verbandsbüros. Heute trägt derselbe Ort einen großen Namen: KNVB Campus. Die Niederländer sprechen vom „kloppenden Fußballherz“ ihres Landes – und dieses Herz schlägt längst auch im Gehtempo: Walking Football hat hier seinen festen Platz gefunden.

Vom Verbandsheim zum Fußball-Labor
Die Transformation begann Mitte der 2010er-Jahre. Aus dem in die Jahre gekommenen Sportcentrum sollte etwas werden, das mehr ist als Trainingsgelände: ein Campus, an dem sich Leistungssport, Ausbildung, Wissenschaft, Innovation und Fußballkultur begegnen. Mit Unterstützung des UEFA-HatTrick-Programms investierte die KNVB massiv in Infrastruktur und Konzept.
2016 war es so weit: Der neu aufgestellte KNVB Campus öffnete offiziell seine Türen. Fünf Spielfelder plus Hauptplatz, ein Premium-Teamhotel, moderne Tagungsräume, das Football Medical Center mit Diagnostik, Reha- und Wellnessbereich – und obendrein die Verbandszentrale in unmittelbarer Nähe.
UEFA-Funktionäre ließen sich damals stolz einführen: Der Campus soll alle Nationalteams beherbergen – Männer, Frauen, Jugend, Futsal, Para-Fußball – und als Schaltzentrale dienen, um Spielwissen zu sammeln, Daten auszuwerten und Trainingsmethoden zu entwickeln. Virtual-Reality-Training, Videoanalyse, Sportwissenschaftler, die an jeder Bewegung feilen – Zeist ist längst so etwas wie ein Labor für die Zukunft des niederländischen Fußballs.

Campus für die Teams von morgen – auch im Senior*innenfußball
„Voor de teams van morgen“ ist der Slogan der KNVB für den Campus. Gemeint sind damit nicht nur die Talente der U-Nationalmannschaften, sondern ganz bewusst auch neue Zielgruppen – etwa Senior*innen, die über Walking Football ins Spiel (zurück)finden.
Ein Blick in die Angebots-Liste zeigt: Der Campus ist kein abgeschotteter Hochsicherheitstrakt des Profifußballs. Verbände, Amateurvereine, Unternehmen und Organisationen können hier Trainingslager, Tagungen, Kongresse und Teamevents durchführen. Vom Workshop im Konferenzsaal über Padeln und Footgolf bis zur Wellness-Einheit in der Sauna – der Fußball wird zum Rahmen für Lernen, Austausch und Gesundheit.
Genau in diesem Umfeld positioniert die KNVB das Thema Walking Football bewusst nicht als „Nische“, sondern als regulären Baustein ihres Angebots: Seniorenfußball – mit und ohne Ball – gehört in Zeist dazu.

Walking Football: Vom Randthema zur Nationalmannschaft
Wie ernst das Thema genommen wird, zeigte sich 2019 bei einem Treffen, das auf den ersten Blick unspektakulär wirkt: Die landesweite Spielerräte Walking Football, die „Spelersraad“, kam bei der KNVB in Zeist zusammen. Dort diskutierten Vertreterinnen und Vertreter der sogenannten OldStars gemeinsam mit Verbandsleuten, der Eredivisie und dem Nationaal Ouderenfonds über Strukturen, Mitbestimmung und die Zukunft ihres Formats.
Das ist mehr als ein nettes Foto in der Verbandszentrale. Es bedeutet: Walking Football erhält in den Niederlanden eine formelle Stimme – auf Augenhöhe mit anderen Bereichen des Spiels. Zeist ist hier nicht nur Kulisse, sondern Symbol.
2025 geht die Entwicklung noch einen Schritt weiter. Für die Weltmeisterschaft im Walking Football im spanischen Torrevieja stellt die KNVB erstmals ein eigenes 70+-Nationalteam auf – ein gemischtes Team aus zwölf Spielerinnen und Spielern, gecoacht von einem prominenten Namen: Hans van Breukelen.
Die letzten gemeinsamen Einheiten vor der Abreise? Natürlich auf dem KNVB Campus. Dort fand im Oktober 2025 die Abschlusstrainingseinheit und Uzwaiß-Veranstaltung statt. Freunde und Familien standen am Spielfeldrand, während auf demselben Gelände sonst Virgil van Dijk und Co. ihre Einheiten absolvieren.
Für die Spielerinnen und Spieler ist das mehr als nur ein Trainingsort: Es ist ein deutliches Signal, dass ihre Form des Fußballs zur offiziellen Oranje-Familie gehört.

Soziale Mission: Walking Football als Kontaktmotor
Walking Football ist in den Niederlanden eng mit einer sozialen Mission verknüpft. Gemeinsam mit dem KPN Mooiste Contact Fonds und dem Nationaal Ouderenfonds nutzt die KNVB das Format, um Einsamkeit im Alter zu bekämpfen und soziale Kontakte zu stärken.
Über 500 Vereine bieten inzwischen Walking Football an – eine Zahl, die zeigt, dass das Thema im Breitensport angekommen ist.
Zeist ist dabei das Schaufenster:
- Hier werden Kampagnen vorgestellt,
- hier treffen sich Entscheider*innen,
- hier trainiert die Nationalauswahl –
und hier zeigt die KNVB Medien, Politik und Partnern, wie ernst sie es mit einem „Fußball für alle Lebensphasen“ meint.
Was Deutschland von Zeist lernen kann
Für Gehfussball-Engagierte in Deutschland ist der Blick nach Zeist in mehrfacher Hinsicht spannend:
- Zentraler Ort, klare Symbolik:
Die KNVB hat ihr Walking Football bewusst ins Zentrum ihrer Infrastruktur geholt. Die Botschaft: Das ist kein Nebenprodukt, sondern Teil der offiziellen Fußballlandschaft. - Verzahnung von Leistung, Bildung und Breitensport:
In Zeist trainieren Nationalmannschaften, finden Trainerlehrgänge statt, werden Innovationen getestet – und gleichzeitig laufen Kampagnen für Seniorenformate. Diese Durchmischung sorgt dafür, dass Walking Football automatisch mitgedacht wird, wenn es um Strategie, Finanzen oder Kommunikation geht. - Sozialpartnerschaften als Hebel:
Mit Partnern wie dem KPN Mooiste Contact Fonds gelingt der KNVB der Brückenschlag zwischen Fußballverband und sozialer Infrastruktur. Das macht Walking Football attraktiv für Förderer, Kommunen und Medien – ein Modell, das sich auch auf Deutschland übertragen ließe. - Narrativ „Teams von morgen“:
Dass die KNVB den Campus als Ort „für die Teams von morgen“ bewirbt, öffnet den Begriff „Zukunft“: Gemeint sind nicht nur junge Talente, sondern alle, die mit neuen Formen des Spiels Teil der Fußballkultur bleiben – inklusive der 70+-Walking-Football-Nationalmannschaft.
Die Zukunft im Wald
Wer heute über den KNVB Campus spaziert, sieht hochmoderne Plätze, Analyse-Technik, Hoteltrakte – und Menschen, die auf ganz unterschiedlichen Niveaus Fußball leben. Zwischen Nachwuchs-Nationalspielerinnen, die vom großen Durchbruch träumen, laufen Senior*innen, die beweisen, dass man auch im Gehen Weltmeister werden kann.
Zeist zeigt: Die Zukunft des Fußballs ist nicht nur schneller, intensiver und datengetriebener – sie ist auch älter, sozialer und inklusiver.
Und Walking Football ist auf dem KNVB Campus nicht der langsame Anhang, sondern ein sichtbarer Teil dieser Zukunft.

