Was gibt es für ein Mittel gegen leere Bänke?

Mitglieder gewinnen im Gehfussball: Nicht suchen – gefunden werden

Was erfolgreiche Gruppen anders machen und warum ein leerer Platz oft mehr sagt als tausend Flyer.

Gehfussball ist kein Trend. Er ist eine Einladung. Und genau darin liegt der Schlüssel zur Mitgliedergewinnung.

Die Beiträge von Steffan Wemcken und Sylvia Heitmüller mit den anschließenden Diskussionen beim Walking Football Kick-Off X-Change 2025 haben eines sehr deutlich gemacht:

Neue Spieler*innen kommen nicht, weil Regeln perfekt erklärt sind oder Trainingspläne glänzen –

sie kommen, weil sie sich gemeint fühlen.

1. Mitgliedergewinnung beginnt nicht mit Werbung, sondern mit Haltung

Fast alle erfolgreichen Initiativen berichten dasselbe Muster:

  • „Wir wollten niemanden überzeugen.“
  • „Wir haben einfach offen trainiert.“
  • „Die Leute kamen, weil sie gesehen haben, wie wir miteinander umgehen.“

Gehfussball wirkt durch Atmosphäre.

Wer vorbeikommt, schaut zuerst:

  • Wie sprechen die Spieler miteinander?
  • Wird gelacht?
  • Darf man Fehler machen?
  • Ist das Tempo menschlich – nicht nur körperlich?

Fazit:

Mitgliedergewinnung ist kein Marketingprojekt.

Sie ist ein soziales Versprechen.

2. Zielgruppen nicht definieren – sondern einladen

Ein zentrales Learning aus den Beiträgen:

Zu enge Zielgruppen schrecken ab.

Erfolgreiche Gruppen sprechen nicht von:

  • „Ü60“
  • „Reha-Sport“
  • „Ehemalige Fußballer“

Sondern von:

  • Bewegung ohne Stress
  • Fußball ohne Druck
  • Gemeinschaft ohne Leistungszwang

Menschen ordnen sich selbst ein – wenn man sie lässt.

Ein Satz, der hängen blieb:

„Viele kommen nicht, weil sie denken, sie sind nicht gut genug. Dabei sind sie genau richtig.“

3. Der wichtigste Ort der Mitgliedergewinnung: die Seitenlinie

Nicht Facebook.

Nicht Flyer.

Nicht die Vereinswebsite.

Sondern:

  • der offene Trainingsabend
  • der kurze Plausch nach dem Training
  • die Bank am Spielfeldrand

Mehrere Referierende berichteten:

Neue Mitglieder kamen,

  • weil sie jemanden kannten, der schon da war
  • weil sie zufällig zusahen
  • weil sie gefragt wurden:
    „Willst du nächste Woche einfach mal mitmachen?“

Persönliche Einladung schlägt jede Kampagne.

4. Angst abbauen – bevor sie entsteht

Ein wiederkehrendes Thema:

Viele Interessierte haben Sorge, etwas falsch zu machen.

Typische Gedanken:

  • „Ich bin zu langsam.“
  • „Ich kenne die Regeln nicht.“
  • „Ich habe seit Jahren keinen Ball berührt.“

Erfolgreiche Gruppen reagieren darauf nicht mit Regelwerken,

sondern mit klaren Botschaften:

  • „Du darfst jederzeit pausieren.“
  • „Niemand pfeift hier.“
  • „Wir erklären alles auf dem Platz.“
  • „Fehler gehören dazu – wir sammeln sie wie Panini-Bilder.“

Humor hilft. Sehr.

5. Sichtbarkeit heißt: Geschichten erzählen, nicht Ergebnisse posten

Die Erkenntnisse aus dem X-Change sind eindeutig:

Beiträge mit Tabellen, Ergebnissen oder Logos bringen kaum neue Mitglieder.

Was wirkt:

  • Fotos vom Training
  • kleine Geschichten einzelner Spieler*innen
  • Zitate
  • Momente des Miteinanders

Menschen wollen sich wiedererkennen, nicht beeindrucken lassen.

Ein verschwitztes Lächeln sagt mehr als ein Turniersieg.

6. Geduld ist Teil des Konzepts

Viele Initiativen berichteten:

  • Die ersten Wochen: 3–5 Personen
  • Dann lange nichts
  • Und plötzlich: ein Wachstumsschub

Mitgliedergewinnung im Gehfussball ist kein Sprint.

(Was ja auch irgendwie gut passt.)

Wer bleibt, bleibt oft lange –

weil er nicht gekommen ist, um besser zu werden,

sondern um dabei zu sein.

Schlussgedanke

Gehfussball gewinnt keine Mitglieder,

weil er perfekt organisiert ist.

Er gewinnt Menschen,

weil er Raum lässt.

Raum für Tempo.

Raum für Pausen.

Raum für Gespräche.

Raum für Würde.

Oder, um es in einem Satz aus dem Kick-Off X-Change zusammenzufassen:

„Wer Menschen gehen lässt, kommt gemeinsam weiter.“

Und wenn das keine gute Basis für Mitgliedergewinnung ist,

dann wissen wir auch nicht weiter –

…wir gehen dann einfach noch eine Runde. 👣⚽️