Walking Football verbindet Kontinente
Walking Football – die entschleunigte Variante des Fußballspiels – hat in Kenia eine überraschende Heimat gefunden. Getragen von der Vision von Kiarie Mwangi, dem Gründer der Kenya Walking Football Federation (KWFF), entwickelt sich der Sport zu einem Bindeglied zwischen Gesundheit, Gemeinschaft und internationalem Austausch.
Über das soziale Netzwerk Facebook traten wir erstmals mit Kiarie Mwangi in Kontakt. Rasch entwickelte sich daraus ein Austausch per E-Mail, bei dem er sich freundlicherweise für ein ausführliches Interview zur Verfügung stellte. Darüber haben wir uns sehr gefreut – denn so entstand die Möglichkeit, aus erster Hand Einblicke in die Entstehung und Entwicklung des Walking Football in Kenia zu gewinnen.

Ein Spiel für die „zweite Halbzeit“ des Lebens
Die Idee nach Kenia gebracht hat 2019 Ricky Weir, Direktor für Afrika in der Federation of Walking Football Association (FIWFA). Doch erst durch Mwangi gewann sie an Fahrt. Der ehemalige Produktionsmanager von SuperSport East Africa hatte bereits Erfahrungen mit Sportprojekten in sozialen Kontexten gesammelt – unter anderem im Kamiti-Gefängnis, wo er Fußball als Instrument zur Resozialisierung einsetzte.
„Walking Football bot sich als ideale Möglichkeit an, ältere Menschen aktiv einzubinden und ihre Gesundheit zu fördern“, erklärt Mwangi. Im Oktober 2023, am internationalen Tag der älteren Menschen, organisierte er ein erstes Spiel in einem Hochsicherheitsgefängnis. Die Resonanz war groß – und führte zur Gründung der KWFF, die seit August 2024 offiziell registriert ist.
📌 Beginn des Walking Football in Kenia (Übersicht)

- 1. Oktober – Internationaler Tag der älteren Menschen: Kiarie Mwangi organisierte über seine Organisation FARIJI ein erstes Walking-Football-Spiel im Hochsicherheitsgefängnis Kamiti, um ältere Inhaftierte einzubeziehen.
- Motivation: Bisherige Gefängnisprogramme waren stark auf Jugendliche ausgerichtet, ältere Menschen blieben meist außen vor.
- Öffentliche Resonanz: Nach einem Facebook-Post von Mwangi war das Interesse überwältigend – der Anstoß, Walking Football tiefergehend zu erforschen.
- Gründung der KWFF: Im August 2024 wurde die Kenya Walking Football Federation (KWFF) offiziell registriert und der FIWFA angeschlossen.
- Afrikanischer Kontext: Kenia reiht sich damit ein in Länder wie Rwanda, Südafrika, Nigeria, Marokko und Ägypten, die Walking Football bereits etabliert haben.
Wer spielt Walking Football in Kenia?
In Nairobi gibt es aktuell drei aktive Clubs, weitere Teams entstehen in Mombasa, Migori, Kiambu und Nakuru. Auffällig ist die starke Rolle der Frauen: Rund 65 Prozent der Spielerinnen sind zwischen 40 und 65 Jahre alt, viele von ihnen haben sportliche Karrieren in Netball, Volleyball oder Handball hinter sich. Besonders inspirierend ist die 73-jährige Schatzmeisterin des Verbands, deren jahrzehntelanges Engagement im Netball auch im neuen Sport Begeisterung weckt.
Bei den Männern liegt das Durchschnittsalter über 50 Jahren. Viele sind ehemalige Fußballer, Pensionäre oder Gemeindemitglieder. Während Frauen vor allem soziale Kontakte suchen, motivieren Männer häufig gesundheitliche Gründe – und nicht selten auch die nostalgische Freude, wieder ein Trikot zu tragen.
Gesundheit, Gemeinschaft und mentale Stärke
Die positiven Effekte sind vielfältig: Bewegung hilft bei der Vorbeugung von Diabetes, Bluthochdruck und Demenz. Gleichzeitig stärkt Walking Football das seelische Wohlbefinden. Frauen nutzen die Spielfelder oft als offenen Raum für Gespräche über Gesundheit und Familie. Männer, die im Alter oft sozial isoliert sind, finden hier wieder Kameradschaft.
„Das Lachen und die Gespräche vor und nach dem Training sind genauso wichtig wie das Spiel selbst“, betont Mwangi.
Partnerschaften und Perspektiven
Die KWFF arbeitet bereits mit Gesundheitszentren, Universitäten und der Non-Communicable Diseases Alliance of Kenya zusammen. Mit Unterstützung von County-Regierungen will Mwangi Walking Football in allen 47 kenianischen Regionen etablieren. Eine große Herausforderung bleibt jedoch die Finanzierung – bisher tragen Mitglieder den Großteil der Kosten selbst.
Trotzdem blickt Mwangi optimistisch nach vorn: Er sieht Walking Football nicht nur als lokalen Gesundheitssport, sondern auch als künftigen Teil des internationalen Turnierkalenders. Gespräche über regionale Wettbewerbe mit Ruanda laufen bereits, und langfristig könnte sogar eine afrikanische Variante des Afrika-Cups entstehen.
Vision für 2031
Mwangis Ziel ist ambitioniert: Bis 2031 soll Kenia Gastgeber einer Walking-Football-Weltmeisterschaft werden. Darüber hinaus will er das Bild des Alterns verändern: „Wir sprechen nicht mehr von Ruhestand, sondern von Neuausrichtung. Ältere Menschen sollen aktiv, gesund und integriert bleiben – so wie in Japan.“
Kiarie Mwangis Botschaft an Europa fasst er mit einem Zitat zusammen:
„Wenige Menschen wissen, wie man geht. Man braucht Ausdauer, schlichte Kleidung, alte Schuhe, ein Auge für die Natur, Humor, Neugier, gutes Reden – und gutes Schweigen.“
Walking Football mag langsam gespielt werden – seine Wirkung aber entfaltet sich schnell. Und sie reicht weit über die Grenzen Kenias hinaus.

Wir meinen, dass der Einsatz von Kiarie Mwangi und der Kenya Walking Football Federation besonderen Dank und Respekt verdient. Mit visionärem Weitblick und der Unterstützung der Strukturen vor Ort wird ein Sport etabliert, der weit über das Spielfeld hinaus wirkt – als Brücke zwischen Generationen, Kulturen und Kontinenten.
Vielleicht liest in Deutschland oder Europa jemand mit, der gute Verbindungen nach Ostafrika pflegt, das Land bereits bereist hat und nun überrascht ist, von dieser Bewegung erstmals zu hören. Dem Präsidenten des kenianischen Walking-Football-Verbands wäre es bestimmt eine Freude, interessierten Gästen die Entwicklungen vor Ort zu zeigen – und gemeinsam mit Partnern über mögliche Unterstützung nachzudenken. Denn Walking Football ist mehr als ein Spiel: Es ist eine Einladung, Zukunft interkontinental solidarisch zu gestalten.
…und wer weiß vielleicht sehen wir uns zum World Nations Cup 2031 in Kenia?

