Piet van Osta – Mister DVO’60
Eine Vereinslegende aus Roosendaal, die Walking Football zur Herzenssache machte

Ein Leben für den Fußball in Roosendaal
Wenn man in Roosendaal, Nord-Brabant, über Fußball spricht, fällt ein Name fast immer zuerst: Piet van Osta. Seit über einem halben Jahrhundert ist er eng mit VV DVO’60 (Door Vrienden Opgericht) verbunden – als Spieler, Trainer, Funktionär und inzwischen als Motor für Walking Football. Heute, im Jahr 2025, ist Piet 73 Jahre alt, doch sein Engagement für „seinen“ Verein ist ungebrochen.
Sein Leben ist ein Musterbeispiel dafür, wie tief Fußball in einer Familie, einer Stadt und einem Verein verwurzelt sein kann.
Die frühen Jahre: RBC Roosendaal und eine dramatische Verletzung
Bevor Piet zur Identifikationsfigur von DVO’60 wurde, war er als Torwart bei RBC Roosendaal aktiv. In der Saison 1956/57 galt er als „am wenigsten überwundener Keeper“ der zweiten niederländischen Liga. Doch am 1. Januar 1958 veränderte ein schwerer Unfall alles: Bei einem Benefizspiel erlitt er eine Schädelbasisfraktur. Ärzte gaben ihm kaum Überlebenschancen – doch Piet überstand die Verletzung.
Er kehrte sogar auf den Platz zurück, fortan mit einer speziell angefertigten Kopfbedeckung, und gilt bis heute als erster niederländischer Fußballer, der mit Kopfschutz spielte. Eine Geschichte, die ihn prägte – und die zeigt, wie viel Durchhaltevermögen und Leidenschaft er mitbrachte.
DVO’60: Mehr als ein Verein, eine Familie
1972 trat Piet DVO’60 bei. 1975 gründete er die Jugendabteilung des Clubs, baute sie über Jahrzehnte mit auf und bekleidete verschiedenste Ämter – vom Jugendausschuss bis zum Hauptvorstand. Heute sitzt er im Vorstand für Walking Football und Platzpflege.
DVO’60 ist längst eine Familienangelegenheit:
- Seine Tochter Cindy spielte in Mädchenteams, trainiert heute die Minis und ist Kantinenleiterin.
- Sein Enkel Daan ist mit 12 Jahren einer der jüngsten Trainer des Vereins, spielt in der JO14-1 und träumt davon, eines Tages im ersten Team von DVO’60 zu stehen – wie sein Opa.
- Auch Piets Frau und sein Schwiegersohn sind im Vereinsleben aktiv.
„Wir sind eine echte DVO-Familie“, sagt Piet. „Nächstes Jahr bin ich 54 Jahre Mitglied – da geht man nicht mehr weg.“
Walking Football: Mit Leidenschaft neu erfunden
Vor rund zehn Jahren brachte Piet mit Unterstützung von Reinald Boeren (Sportservice Noord-Brabant, heute Trainer bei Halsteren 1) Walking Football nach Roosendaal. „Damals gab es in Brabant noch gar nichts in diesem Bereich“, erinnert er sich. „Wir haben einfach angefangen – mit einer einzigen Person.“
Heute zählt die Walking-Football-Gruppe von DVO’60 über 40 Mitglieder. Viele kamen über Mundpropaganda oder über den Katholischen Seniorenbund, mit dem DVO zusammenarbeitet. Besonders schön: Auch Menschen, die nie zuvor Fußball gespielt haben, finden ihren Platz. Für sie geht es nicht nur um Bewegung, sondern vor allem um das soziale Miteinander.
Jeden Mittwochvormittag kommen sogar Menschen mit Demenz aus den Einrichtungen Heerma State und De Wiek zum Zuschauen. „Für sie ist es ein Ausflug: ein Kaffee, ein Gespräch, einfach das Gefühl, dazuzugehören“, sagt Piet. Beim jährlichen Walking-Football-Turnier organisiert der Verein Musik und Spiele speziell für diese Gäste. „Das ist für diese Menschen Gold wert – und für uns eine Freude, es zu ermöglichen.“
Zwischen Tradition und Zukunft
Die Trainings sind kein lockeres Kicken, sondern strukturiert: Aufwärmen, Physiobetreuung, Spiele im Format 6 gegen 6. „Das Schwierigste ist, dass man nur gehen darf und den Ball nicht hoch schießen darf“, erklärt Piet lachend gegenüber den Kollegen vom niederländischen Voetball Journal. „Aber unsere Spieler sind trotzdem sehr ehrgeizig – manchmal fast zu ehrgeizig.“
Besonders stolz ist der Verein auf das jährliche Walking-Football-Turnier, das inzwischen zwanzig Teams aus den Niederlanden und Belgien anzieht, darunter die „All Stars“ von Feyenoord, FC Utrecht, Willem II und Zulte Waregem. Der Tag endet traditionell mit Grillfest und Musik – und macht DVO’60 weit über die Region hinaus bekannt.
Eine Auszeichnung für ein Lebenswerk
Für seine unermüdliche Arbeit erhielt Piet van Osta die Goldene Ehrennadel des KNVB, des niederländischen Fußballverbands. Doch wichtiger als Orden und Titel ist ihm das, was er auf dem Vereinsgelände jeden Tag erlebt: Generationen von Spielern, Trainern und Fans, die durch ihre Leidenschaft für den Fußball miteinander verbunden sind.
„Walking Football ist nicht nur Bewegung“, sagt er, „es ist auch Gemeinschaft und Lebensfreude. Durch den Umgang mit den jungen Spielern bleibe ich selbst jung im Kopf – und durch den Kontakt mit den Älteren weiß ich, dass Fußball uns alle verbindet.“
Mister DVO’60
73 Jahre alt, über 50 Jahre Vereinsmitglied, Gründer der Jugendabteilung, Pionier des Walking Football in Nord-Brabant, Familienmensch und Herz von DVO’60 – Piet van Osta verkörpert, was Vereinsfußball im besten Sinne bedeutet: Leidenschaft, Ausdauer, Gemeinschaft und Herzblut.
DVO’60 ist für ihn mehr als ein Club – es ist Heimat, Familie und Lebensaufgabe zugleich.

