Inklusion im Schritttempo – Gehfußball erobert die FIFA-Agenda

Gehfußball inklusiv gestalten – FIFA gibt Vereinen neue Werkzeuge an die Hand

Leipzig. Fußball ist für alle da – auch für Menschen mit Behinderungen oder eingeschränkter Mobilität. Mit dem neuen Disability Football Toolkit zeigt die FIFA, wie Vereine und Verbände ihre Angebote inklusiver und nachhaltiger gestalten können. Für den noch jungen Gehfußball in Deutschland eröffnet das Chancen, den Sport breiter aufzustellen und Barrieren konsequent abzubauen.

Ein Werkzeugkasten für mehr Teilhabe

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) leben weltweit 1,3 Milliarden Menschen mit einer Behinderung – rund 16 Prozent der Weltbevölkerung. „Eine der zentralen Aufgaben des Fußballs ist es, Inklusion zu ermöglichen“, betont die FIFA in ihrem Toolkit. Der Leitfaden bietet eine Roadmap von der Analyse bis zur Umsetzung:

  1. Bedarf ermitteln: Vereine sollen erfassen, welche Menschen in der Region Interesse am Fußball hätten, aber durch Hindernisse ausgeschlossen sind.
  2. Planen und vernetzen: Partner wie Kommunen, Reha-Zentren oder Behindertensportverbände einbinden.
  3. Pilotprojekte starten: klein anfangen, ausprobieren, Feedback einholen.
  4. Ausbau: mehr Trainingsangebote, Turniere, Sichtbarkeit.
  5. Nachhaltigkeit sichern: feste Strukturen, Finanzierung, geschulte Übungsleitende.

Chancen für den Gehfußball

Besonders Walking Football – eine Variante, bei der nicht gelaufen werden darf – gilt als prädestiniert für Inklusion. Er verbindet Generationen, schont Gelenke und ist auch für Menschen geeignet, die nach Verletzungen, Operationen oder gesundheitlichen Einschränkungen wieder aktiv werden wollen.

Mit klaren Regeln (kein Laufen, kein Grätschen, wenig Körperkontakt) und angepassten Spielfeldern ermöglicht Gehfußball einen niedrigschwelligen Einstieg. Das FIFA-Toolkit kann helfen, diese Strukturen gezielt inklusiv weiterzuentwickeln – etwa durch barrierefreie Zugänge, Kooperationen mit Pflegeeinrichtungen oder Trainingsgruppen für unterschiedliche Belastungsniveaus.

Von der Theorie zur Praxis

Vereine in Sachsen wie in ganz Deutschland könnten mit dem Toolkit prüfen: Welche Bedarfe gibt es vor Ort? Welche Hindernisse lassen sich schnell abbauen? Und wie schafft man es, Menschen mit Handicap langfristig zu binden? Erste Gehfußball-Gruppen – etwa in Leipzig-Lindenau oder Leipzig-Althen – zeigen bereits, wie stark der soziale Aspekt wirkt.

Mehr als nur Sport

Das Toolkit erinnert daran, dass Fußball weit über den Wettkampf hinausgeht. Es ist ein Raum für Begegnung, Gesundheit und Gemeinschaft. Für den Gehfußball bedeutet das: Inklusion ist nicht Beiwerk, sondern Kernidee. Wenn alle gemeinsam gehen dürfen – egal mit welchem Tempo – gewinnt der Sport an Menschlichkeit.