Blick aus dem Mutterland des Walking Football auf Deutschland
Walking Football: Zwischen Kultfigur und Gesundheitsbewegung
Warum „Lewes Lenny“ mit seinem Blick auf Deutschland eine Diskussion angestoßen hat

In der Walking-Football-Szene sorgt er seit geraumer Zeit für Gesprächsstoff: Lewes Lenny, eine imaginäre Comic-Figur, die längst Kultstatus erreicht hat. Mit scharfem Blick, britischem Humor und einer Portion Selbstironie kommentiert er die Entwicklungen des Sports in Europa. Sein jüngster Beitrag über das Wachstum von Walking Football in Deutschland hat nicht nur für Anerkennung, sondern auch für kontroverse Diskussionen gesorgt.
Die deutsche Variante: Fußball ohne Torwart
Während in England, Spanien oder Italien traditionell mit fünf Feldspielern und einem Torwart gespielt wird, geht Deutschland eigene Wege: Sechs Feldspieler ohne Torwart. Das klingt im ersten Moment ungewohnt, hat aber System. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) setzen konsequent auf Gesundheit, Prävention und Inklusion. Walking Football wird hier nicht als „Seniorensport“ abgestempelt, sondern als „Fußball für alle“ etabliert – von 16 bis 70+.
Die Vorteile liegen auf der Hand:
- Mehr Beteiligung aller Spieler am Spielgeschehen.
- Weniger Verletzungsrisiko, da das Torwartspiel für ältere Teilnehmer oft problematisch ist.
- Soziale Wirkung, weil die Rollen auf dem Platz weniger spezialisiert und stärker gemeinschaftlich geprägt sind.
Kultfigur mit Biss
Lewes Lenny beschrieb diese Unterschiede in seinem Blog ausführlich – und wie gewohnt mit einem Augenzwinkern. Er würdigte die deutsche Herangehensweise als innovativ und gesundheitsfördernd, ließ sich aber auch zu einer spitzen Bemerkung hinreißen. Ein Leser griff das auf und kommentierte bissig: „It’s the German way dispensing with people.“ – sinngemäß: „Typisch deutsch, Menschen einfach loszuwerden.“
Was wie eine Provokation klingt, entlarvt sich bei näherem Hinsehen als Überbleibsel alter Feindbilder. Solche Kommentare bedienen nostalgische Rivalitäten zwischen England und Deutschland, die in der Walking-Football-Realität jedoch längst überholt sind.
Mehr als nur Sport – eine gesellschaftliche Bewegung
Fakt ist: In Deutschland wächst Walking Football rasant. Rund 600 Vereine bieten inzwischen regelmäßige Einheiten an, von Bundesliga-Clubs bis zu kleinen Dorfvereinen. Das Besondere ist der gesellschaftliche Anspruch. Walking Football soll nicht nur Wettbewerbe ermöglichen, sondern auch Volkskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes Typ 2 oder Depressionen vorbeugen.
Jean Künzel, einer der Pioniere in Hamburg, bringt es auf den Punkt:
„Walking Football ist nicht der Fußball von gestern, sondern der Fußball von morgen.“
Zwischen CWF und SWF
Die Diskussion um Torwart oder nicht ist damit mehr als nur eine Regel-Frage. Sie steht sinnbildlich für zwei Strömungen:
- CWF – Competitive Walking Football, das den sportlichen Wettbewerb betont.
- SWF – Social Walking Football, das die Gesundheit, Gemeinschaft und Freude an Bewegung in den Vordergrund rückt.
Wir können daraus schlußfolgern, dass Lewes Lenny, die Comic-Figur mit Kultstatus, mit seinem Bericht wieder einmal gezeigt hat, wie unterschiedlich Walking Football interpretiert wird – und wie lebendig die Debatte ist. Ob mit Torwart oder ohne: Am Ende geht es nicht um alte Feindbilder, sondern um neue Chancen. Chancen, Fußball zu einem inklusiven, gesundheitsfördernden und generationenübergreifenden Erlebnis zu machen.

