Im Angesicht einer „Löwin“
Walking Football verbindet: Begegnung mit Judith Darcy in Borgomanero
Borgomanero, 7. Nationale Meisterschaften der U.N.V.S. – Am Rande des Spielfeldes, mitten in der lebendigen Atmosphäre des Turniers, trafen wir auf Judith Darcy, eine Spielerin, deren Leidenschaft für den Fußball auch nach einem langen und bewegten Weg ungebrochen ist.

Die 63-jährige Engländerin ist Teil der englischen Nationalauswahl im Frauen-Walking-Football. Ihre Geschichte beeindruckt: Nach einer schweren Rückenoperation im Jahr 2015 war an Fußball zunächst nicht mehr zu denken. Doch anstatt den Sport endgültig aufzugeben, entdeckte Judith Walking Football – eine Variante des Spiels, die langsamer, aber nicht weniger leidenschaftlich ist. „Auf dem Platz vergesse ich alle Sorgen. Es geht nur um mein Team, den Ball und die Freude am Spiel“, erzählt sie.
Ein Leben für den Ball
Judiths Fußballgeschichte reicht zurück in die 1970er Jahre, als sie mit ihrer Zwillingsschwester auf den Straßen Lancashires kickte. Später spielte sie im Frauenfußball im klassischen 11-gegen-11. Jahrzehnte danach führte sie der Zufall zurück aufs Feld: Walking Football gab ihr nicht nur körperliche Stärke, sondern auch neues Selbstvertrauen und ein starkes Gemeinschaftsgefühl.
Ihre Leidenschaft brachte sie bis in die englische Auswahl, mit der sie 2019 das erste offizielle internationale Frauen-Walking-Football-Spiel gegen Guernsey bestritt. Ein weiterer Höhepunkt war der Auftritt im Wembley-Stadion, wo sie gemeinsam mit anderen Walking Footballerinnen geehrt wurde.
Begegnung in Borgomanero
Beim Turnier in Borgomanero, den 7. Nationalen Meisterschaften der UNVS, stand Judith erneut mit leuchtenden Augen am Spielfeldrand. Sie sprach mit uns über ihren Weg, über das Glück, trotz Rückschlägen wieder spielen zu können, und über ihre Träume.
„Es wäre wunderbar, einmal auch gegen eine deutsche Auswahl anzutreten“, sagt sie voller Vorfreude. Der Wunsch nach internationalen Begegnungen unterstreicht, was Walking Football ausmacht: Es geht nicht allein um Tore und Punkte, sondern um Austausch, Freundschaften und gemeinsame Leidenschaft.
Blick nach vorn
Judith Darcy ist ein Beispiel dafür, dass Fußball keine Altersgrenze kennt. Ihre Geschichte inspiriert – nicht nur Frauen, die den Sport neu für sich entdecken, sondern auch all jene, die vielleicht glauben, es sei zu spät für ein Comeback.
Das Treffen in Borgomanero zeigte eindrücklich: Walking Football ist weit mehr als ein Spiel im Schritttempo. Es ist eine Bewegung, die Menschen über Ländergrenzen hinweg verbindet – und vielleicht sehen wir schon bald ein deutsch-englisches Duell, das dieser Idee noch mehr Gewicht verleiht.


