Die Vielfalt der Regeln

Unterschiedliche Regeln im europäischen Walking Football: Mit oder ohne Torwart?

Einheit oder Vielfalt – Europas Walking Football-Szene steht vor einer Weichenstellung.

Walking Football boomt in ganz Europa – und mit der wachsenden Popularität der altersfreundlichen Fußballvariante wächst auch die Debatte über einheitliche Regeln. Ein zentrales Thema: die Frage nach dem Torwart. Denn während in Ländern wie England, Spanien oder Italien häufig mit festen Torhütern gespielt wird, verzichten Nationen wie Deutschland, die Niederlande oder Teile Skandinaviens in vielen Wettbewerben bewusst auf die Position zwischen den Pfosten.

Diese unterschiedlichen Ansätze haben historische und organisatorische Gründe. In England, wo Walking Football 2011 entstand, wurden Torhüter von Beginn an in die Spielidee integriert. Die britische Variante betont Taktik und Teamstruktur – mit festen Positionen und klaren Aufgabenverteilungen. In Deutschland hingegen wird Walking Football oft als niedrigschwelliger Einstieg gesehen. Das Weglassen des Torwarts erleichtert den Zugang, ermöglicht flexiblere Spielformen und verringert potenzielle Verletzungsrisiken im Torraum.

Die Folge: Selbst bei internationalen Turnieren wie dem World Nations Cup of Walking Football 2025 in Spanien treffen Teams mit stark unterschiedlichen Regelverständnissen aufeinander – was die Fairness und Vergleichbarkeit erschwert. Während die einen mit einem festen Schlussmann taktisch agieren, müssen andere improvisieren oder sich kurzfristig umstellen. Auch die Größe der Tore, die Anzahl erlaubter Ballkontakte oder das Strafmaß für Regelverstöße unterscheiden sich europaweit.

Einigung als Herausforderung

„Wenn Walking Football weiter international wachsen will, braucht es einen einheitlichen Regelrahmen“, fordert Lars Mikkelsen, Regelbeauftragter der European Walking Football Federation (EWFF). Doch der Weg zur Harmonisierung ist steinig. Ein Vorschlag liegt seit Frühjahr 2025 auf dem Tisch: ein Regelkompromiss mit „optionalem Torwart“, der je nach Turnierart Anwendung findet. So könnten beispielsweise Freundschafts- und regionale Ligaspiele flexibel bleiben, während internationale Meisterschaften einheitlich mit Torwart ausgetragen werden.

Gleichzeitig werden Pilotprojekte gestartet, bei denen Schiedsrichter und Teams unterschiedliche Modelle testen. Auch Workshops mit Verbandsvertreter:innen aus mehr als 15 europäischen Ländern sind geplant. Ziel ist es, bis 2026 einen verbindlichen „Code of Play“ zu definieren – zumindest für internationale Wettbewerbe.

Zusammenfassung

Die Vielfalt der Regeln spiegelt die Vielfalt der Walking Football-Community wider – doch sie stellt den Sport auch vor organisatorische Herausforderungen. Der Weg zu einer europäischen Einigung wird Kompromisse erfordern – aber auch Chancen bieten: für mehr Verständnis, mehr Vergleichbarkeit und vor allem mehr gemeinsamen Spirit auf dem Platz.

Denn eines bleibt unbestritten: Ob mit oder ohne Torwart – Walking Football bringt Menschen in Bewegung. In ganz Europa.