Der Walking Football Alarm
Walking Football boomt – Gehfussball sucht noch den Anschluss

Ein Blick in den E-Mail-Eingang reicht, um das Phänomen sichtbar zu machen: Wer einen Google Alert für „Walking Football“ eingerichtet hat, bekommt beinahe im Stundentakt neue Meldungen. Sei es aus Irland, Wales oder England – dort ist Walking Football längst ein fester Bestandteil der Sport- und Gesellschaftsberichterstattung.
Das Referenzbild zeigt eine typische Situation: Zwischen 2 Uhr und 7 Uhr morgens trudeln gleich vier Alerts ein – über Turniere, Vereinsaktivitäten oder persönliche Erfolgsgeschichten. Die Nachrichten stammen zu rund 90 Prozent von den britischen Inseln, wo Walking Football nicht nur ein Gesundheitstrend ist, sondern als ernstzunehmende Sportart mit Ligen, Pokalwettbewerben und sogar internationalen Turnieren etabliert wurde.
Ganz anders die Lage in Deutschland: Wer einen Google Alert für „Gehfußball“ aktiviert, wartet oft zwei Wochen auf eine neue Nachricht. Meist handelt es sich dann um lokale Vereinsinitiativen oder kurze Hinweise im Regionalteil. Von einer breiten medialen Aufmerksamkeit ist Gehfussball hierzulande also noch weit entfernt.
Warum dieser Unterschied?
Die Ursachen liegen auf der Hand:
- Tradition: Walking Football wurde 2011 in England eingeführt und hat seitdem eine enorme Dynamik entwickelt.
- Strukturen: In Großbritannien sind Vereine, Kommunen und Krankenkassen eng vernetzt und treiben die Sportart gemeinsam voran.
- Medien: Die britische Presse erkennt Walking Football als eigenen Nachrichtenwert an – vergleichbar mit Amateurfußball oder anderen Breitensportarten.
In Deutschland dagegen wird Gehfussball bislang überwiegend als gesundheitliches Zusatzangebot betrachtet, nicht als Sport mit Wettbewerbscharakter. Auch die großen Verbände – allen voran der DFB – sehen Gehfussball eher in der Seniorenarbeit als im Ligabetrieb.
Was heißt das für die Zukunft?
Das enorme Medieninteresse am Walking Football zeigt, welches Potenzial in dieser Sportart steckt. Deutschland könnte von den britischen Erfahrungen lernen:
- Mehr Sichtbarkeit schaffen durch überregionale Turniere und Meisterschaften.
- Geschichten erzählen, die zeigen, wie Gehfussball Leben verändert – sei es durch gesundheitliche Effekte oder neue Gemeinschaften.
- Lobbyarbeit verstärken, damit Medien, Krankenkassen und Verbände Gehfussball ernster nehmen.
Denn eines ist klar: Fußball kennt kein Alter. Und Gehfussball verdient es, nicht nur auf Vereinsplakaten, sondern auch in den Schlagzeilen zu stehen.

