Der Verein der Woche: De Fixlöpers Wismar – Fußball, der Gesundheit bewegt

Von der Idee zur festen Größe: Die Walking-Football-Abteilung des PSV Wismar zeigt, wie aus Neugier eine Bewegung wird.

Im ausführlichen GEHZETTE-Interview erzählt Abteilungsleiter Günther Stadler die Geschichte der „De Fixlöpers“ – einer Gruppe, die weit mehr ist als ein Team. Es ist ein Gesundheitsangebot, ein sozialer Treffpunkt und ein Beispiel dafür, wie Walking Football in Deutschland wachsen kann, ohne seine Wurzeln zu verlieren.

Der Anfang: Eine Demonstration – und eine Entscheidung

Die Walking-Football-Abteilung des PSV Wismar entstand im Jahr 2022. Ziel war von Beginn an klar formuliert: älteren Menschen – unabhängig von Geschlecht oder sportlicher Vorgeschichte – eine Möglichkeit zu geben, sich zu bewegen, soziale Kontakte zu knüpfen und Fußball neu zu erleben.

Der offizielle Start erfolgte mit einer Live-Demonstration am 13. Mai 2022, zu der über verschiedene Medien eingeladen wurde. Das Interesse war groß: Einige wollten zuschauen, viele machten direkt mit. Aus dieser Offenheit entwickelte sich Schritt für Schritt eine feste Struktur.

Der entscheidende Impuls kam von zwei ehemaligen Fußballern:

  • Titus Seidenberg, in Wismar ausgebildet (Bild links)
  • Günther Stadler, wohnhaft im Ostseebad Boltenhagen (Bild rechts)

Stadler hatte über einen Pressebericht erstmals von Walking Football gehört und suchte nach Angeboten in der Nähe. Beim SV Eintracht Lübeck fand er ein Probetraining – und die alte Fußballfreude wieder. Doch eine Stunde Fahrt pro Strecke war langfristig nicht realistisch. Also entstand der Plan: Walking Football nach Wismar holen.

Nach Gesprächen mit dem Vorstand und einem gemeinsamen Probetraining in Lübeck fiel die Entscheidung schnell. Eine neue Abteilung wurde gegründet:

Gesundheitssport Walking Football.

Und wie es manchmal im Vereinsleben passiert: Plötzlich standen zwei Walking-Football-Tore im Stadion. Spender unbekannt – Wirkung nachhaltig.

Der Teamname war ebenfalls geboren: „De Fixlöpers“.

Struktur und Team: Erfahrung trifft Begeisterung

Heute besteht die Gruppe aus rund 30 Mitgliedern im Alter von 45 bis 75 Jahren. Die Organisation ist klar aufgestellt:

  • Titus Seidenberg – zertifizierter WF-Trainer, DOSB Übungsleiter C
  • Günther Stadler – Abteilungsleiter, WF-Trainer, DOSB Übungsleiter B Prävention
  • Frido Ohms (74) – Mannschaftskapitän, der Erfahrungsanker
  • Danny Holtz – Kassenwart, organisatorisches Rückgrat

Dazu kommen zahlreiche ehemalige Fußballerinnen und Fußballer, die ihre Erfahrung weitergeben und die Trainingsarbeit unterstützen.

Bemerkenswert ist die Offenheit: Auch Menschen ohne Fußballvergangenheit finden ihren Platz – und bleiben.

Warum Walking Football überzeugt

Die zentrale Stärke liegt in der Kombination aus Bewegung, Gemeinschaft und Zugänglichkeit.

Walking Football ermöglicht es, Fußball mit oder ohne gesundheitliche Einschränkungen zu spielen – und gleichzeitig aktiv zu bleiben.

Für viele ist das Entscheidende: Die Sportart holt Menschen zurück, die den Fußball längst abgeschrieben hatten. Andere entdecken ihn erstmals.

Vom Skeptiker zur Unterstützung: Die Rolle des Hauptvereins

Zu Beginn reagierte die Fußballabteilung im Verein neugierig, aber vorsichtig. Erst mit sichtbarer Entwicklung – technisch, spielerisch und körperlich – wuchs die Anerkennung.

Ein Satz brachte die Wende:

„Erst spielen, dann urteilen.“

Heute wird die Abteilung breit unterstützt. Vorstand, andere Abteilungen und Helfende neben dem Platz ziehen mit.

Auch Sponsoren spielen eine wichtige Rolle, darunter:

  • Boltenhagen Apartment Immobilien Service (BAIS)
  • Café Smile Wismar
  • Hotel Wismar
  • Tischlerei Schröder
  • Thomas Agerholm Stiftung

Da Turniere ohne Eintritts- oder Startgelder organisiert werden, ist diese Unterstützung entscheidend.

Training: Gesundheit im Mittelpunkt

Trainiert wird aktuell:

  • Montagvormittag (witterungsabhängig) im HW-Leasing Stadion des PSV Wismar
  • Mittwochabend in der Sporthalle der Berufsschule Nord Wismar

Die Trainingsstruktur folgt einem klaren Konzept:

  1. Allgemeine Erwärmung
  2. Spezifische Vorbereitung
  3. Spielformen mit wechselnden Methoden
  4. Abschlussspiel
  5. Dehnen und Ausklang

Ein fester Bestandteil ist die dritte Halbzeit – der soziale Abschluss.

Die Philosophie lässt sich so zusammenfassen:

Alle mitnehmen, individuelle Erfolge ermöglichen und gleichzeitig sportliche Ambitionen zulassen.

Turniere, BAIS Cup und wachsende Aufmerksamkeit

Die „De Fixlöpers“ haben früh Turniererfahrung gesammelt – inklusive Lehrgeld. Mit der Zeit folgten Erfolge.

Besonders prägend: der BAIS Cup, zu dem auch bekannte Vereine wie Bayer 04 Leverkusen, Borussia Dortmund oder Hertha BSC Berlin anreisten. Das Turnier hat bundesweit Aufmerksamkeit erzeugt und Interesse in der Region geweckt.

Dabei steht weniger das Ergebnis im Vordergrund als Austausch, Fairness und Regelqualität – insbesondere die Rolle gut ausgebildeter Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter.

Nachfrage: Wachstum – auch bei Frauen

Das Interesse steigt kontinuierlich. Viele kommen zunächst zum Probetraining und entscheiden danach.

Frauen sind ausdrücklich willkommen – und die Hoffnung ist klar: Es sollen mehr werden.

Herausforderungen: Strukturen, Prävention und Balance

Wie an vielen Standorten brauchte es zunächst Überzeugungsarbeit gegenüber dem Landesverband. Inzwischen verbessert sich die Situation, ein Landespokal wurde eingeführt.

Parallel arbeitet der PSV Wismar daran, Walking Football stärker als DOSB Präventionsangebot im Gesundheitssport („Sport pro Gesundheit“) zu etablieren.

Gemeinschaft als Kern

Neben körperlichen Effekten betont das Team besonders die psychosoziale Wirkung:

  • Lebensfreude fördern
  • Widerstandskraft stärken
  • sozialen Austausch ermöglichen

Workshops und Weiterbildungen unterstützen diese Ausrichtung.

Ziele: Mehr Menschen, mehr Ausbildung, mehr Begegnung

Für die kommenden Jahre stehen im Fokus:

  • weitere Turniere und Freundschaftsspiele
  • mehr Teilnehmende gewinnen
  • zusätzliche Übungsleiterinnen und Übungsleiter ausbilden

Ein besonderes Highlight steht bereits fest:

Ein Freundschaftsspiel bei Bayer 04 Leverkusen inklusive Stadionbesuch – als Wertschätzung für das Engagement rund um den BAIS Cup.

Blick auf Deutschland: Zwischen Gesundheitssport und Wettbewerb

Die Wismarer sehen die Entwicklung differenziert. Einerseits wächst die Sportart stark, andererseits besteht die Sorge, dass der Wettkampfgedanke zu dominant werden könnte.

Ihr Plädoyer:

Qualitativ gute Ausbildung von Schiedsrichter*innen und Übungsleitenden, konsequente Regelanwendung und Fokus auf Gesundheit.

Ein Satz, der alles zusammenfasst

Zum Abschluss formuliert Günther Stadler den Kern der Sportart in einem Satz:

„Gesundheit ist ein Weg … der erst entsteht, wenn man ihn geht.“

GEHZETTE-Einordnung

Die Geschichte der „De Fixlöpers“ steht exemplarisch für viele Entwicklungen im Walking Football:

  • Initiativen entstehen oft aus persönlicher Erfahrung
  • Vereinsstrukturen wachsen durch Engagement
  • Gesundheit und Gemeinschaft bleiben zentrale Treiber

Wismar zeigt, dass ambitionierter Spielbetrieb und inklusiver Gesundheitssport kein Widerspruch sin

Ein Kommentar

  1. Das klingt doch alles herrlich. Ich erkenne viele Parallelen zu der Urwaldfriesen des TV Neuenburg. Vielleicht trifft man sich einmal auf einem Turnier.
    Bleib am Ball
    Liebe Grüße
    Steffan

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