Blaupause für deutsche Vereine?

Manchester City als Vorbild: Walking Football zwischen Fitness, Friendship und Fairness

An diesem Wochenende steht bei Manchester City nicht nur der Profifußball im Rampenlicht, sondern ein Thema, das den gesamten Sport betrifft: Sicherheit und Kinderschutz. Mit der Unterstützung der FA-Kampagne Play Safe unterstreicht der englische Traditionsverein einmal mehr, dass Fußball auf allen Ebenen sicher, fair und inklusiv sein muss – vom Kindertraining bis hin zum Walking Football für Senioren.

Kleine Gespräche, große Wirkung

Die diesjährige Play Safe-Kampagne, die am 27. und 28. September 2025 ausgetragen wird, läuft bereits in der vierten Saison. Getragen von der Premier League, der EFL sowie den Frauenligen der Barclays Women’s Super League und Championship, wird sie von der FA gemeinsam mit der Kinderschutzorganisation NSPCC koordiniert. Das Motto 2025 lautet:
„Small Talk is Bigger Than You Think“ – Kleine Gespräche sind wichtiger, als du denkst.

Damit richtet sich die Kampagne an alle Erwachsenen im Fußball: Trainer, Betreuer, Eltern und Vereinsverantwortliche. Sie sollen jungen Menschen eine Stimme geben, Fragen stellen und aufmerksam zuhören. Es geht um Vertrauen, Prävention und den Aufbau einer Kultur des Dialogs.

Von der Jugend bis zum Walking Football

Manchester City zeigt mit City in the Community (CITC), dass Kinderschutz und Fairness keine punktuelle Aktion, sondern ein ganzjähriges Engagement sind. Vom zweijährigen Kind im „City Play Together“-Programm bis zum 75-jährigen Walking Footballer gilt eine einfache Regel: Jeder, der Teil der Community ist, hat Anspruch auf ein sicheres, positives und respektvolles Umfeld.

Das Beispiel ist bemerkenswert: Die gleichen Prinzipien, die für den Schutz von Kindern gelten, werden konsequent auch im Walking Football gelebt. Dort geht es weniger um Sieg und Niederlage, sondern vielmehr um Fitness, Friendship und Fairness. Damit wird Walking Football zu einem gelebten Modell für sportliche Teilhabe in jedem Alter.

City in the Community – Wenn Fußball mehr bedeutet als nur ein Spiel

Manchester City kennt man weltweit für spektakulären Fußball. Doch abseits der großen Bühne gibt es seit fast 40 Jahren ein Projekt, das mindestens genauso beeindruckend ist: City in the Community (CITC).

Gegründet im Jahr 1986 ist CITC die offizielle Wohltätigkeitsorganisation von Manchester City. Ihr Ziel: Menschen in ganz Greater Manchester zu einem gesünderen und aktiveren Leben befähigen – durch Fußball.

Was das bedeutet, zeigt sich in den Programmen: Von Bewegungsangeboten für Kleinkinder über Gesundheitsprojekte an Schulen bis hin zu Walking-Football-Gruppen für Seniorinnen und Senioren – CITC nutzt die Kraft des Fußballs, um Lebensqualität zu verbessern, Gemeinschaft zu schaffen und Inklusion zu fördern.

Im Mittelpunkt steht dabei ein einfacher Gedanke: Fußball gehört allen. Egal ob zwei Jahre alt oder 75+, ob gesund oder mit Einschränkungen – wer sich bewegt, ist Teil der Community.

Diese Haltung macht CITC zu einem Vorreiter. Es geht nicht nur um sportliche Aktivität, sondern auch um soziale Verantwortung: Kinder sollen ihre Stimme finden, Jugendliche Perspektiven entwickeln und ältere Menschen Freude an Bewegung und Gemeinschaft erleben.

Für deutsche Vereine könnte CITC ein echtes Vorbild sein. Denn gerade beim Walking Football zeigt sich, wie sehr Fitness, Fairness und Freundschaft das Leben bereichern können – wenn Vereine bereit sind, mehr anzubieten als nur ein Spielfeld.


Blaupause für deutsche Vereine?

Gerade in Deutschland, wo Walking Football noch im Aufbau ist, könnte der Ansatz von Manchester City eine echte Blaupause darstellen. Die Verknüpfung von sportlicher Bewegung, sozialem Miteinander und einer klaren Haltung zu Fairplay ist ein starkes Signal an Vereine, Verbände und Kommunen.

Wenn City betont: „Wir wollen der sicherste Ort der Welt für Fußball sein“, dann ist das nicht nur ein PR-Spruch, sondern eine Haltung, die sich in Programmen, Fortbildungen und Spielkultur niederschlägt.

Warum das auch hierzulande wichtig ist

Walking Football wächst in Deutschland. Doch mit dem Wachstum steigen auch die Herausforderungen: Wie verhindert man übermäßigen Ehrgeiz, Fouls oder gar Unsportlichkeiten? Wie stellt man sicher, dass neue Teilnehmer – gerade ältere Menschen, Frauen oder Menschen mit Handicap – nicht abgeschreckt werden?

Hier können deutsche Vereine von Manchester lernen: Klare Werte, offene Kommunikation und eine konsequente Ausrichtung auf Gemeinschaft statt Wettbewerb.

Best Practices, die als Blaupause dienen können:

  • Safeguarding für alle Altersklassen: Sicherheit nicht nur bei Kindern denken, sondern auch bei Senior*innen, die besonderen Schutz benötigen.
  • Programme für Vielfalt: Frauen, Menschen mit Handicap und Neueinsteiger aktiv ansprechen und eigene Formate anbieten.
  • Gesundheit im Zentrum: Training nicht nur sportlich, sondern auch präventiv gestalten – mit Blick auf Herz-Kreislauf, Beweglichkeit und Verletzungsprophylaxe.
  • Soziale Teilhabe stärken: Fußball nicht nur als Spiel, sondern als Treffpunkt gegen Einsamkeit und Isolation begreifen.
  • Klare Regeln für Fairness: Unsportlichkeiten oder übermäßigen Ehrgeiz konsequent sanktionieren – damit Walking Football seinem Namen gerecht bleibt.

So wird Walking Football in Deutschland mehr als eine Sportart: ein Ort für Fitness, Friendship und Fairness, an dem jede und jeder willkommen ist.

Zusammenfassend können wir behaupten, dass Walking Football mehr als ein Spiel ist – es ist ein gesellschaftliches Versprechen. Manchester City hat gezeigt, wie ein professioneller Klub Verantwortung übernimmt und damit auch für den Breitensport Maßstäbe setzt. Für deutsche Vereine bedeutet das: Nicht nur Regeln, sondern auch Kultur schaffen. Eine Kultur, in der Fitness, Friendship und Fairness im Mittelpunkt stehen – und in der sich wirklich jeder sicher fühlen darf.

Rolf Allerdissen, WF Trainer und -Spieler

Walking Football in Deutschland: Gemeinsam gehen wir fairer, fitter, freundschaftlicher.“