Wenn Oranje geht – und Deutschland stehen bleibt
Die Walking-Football-Weltmeisterschaft in Spanien und die Frage: Wo bleibt Deutschland?

Wenn im Oktober die Weltmeisterschaft im Walking Football – oder, wie die Niederländer sagen: Wandelvoetbal – im sonnigen Spanien beginnt, wird ein Land besonders im Rampenlicht stehen: die Niederlande. Mit einem ambitionierten Team, geführt von keinem Geringeren als dem ehemaligen Nationaltorhüter Hans van Breukelen, zeigen unsere Nachbarn, wie ernst sie die neue Form des Fußballs nehmen. Deutschland hingegen? Nicht einmal dabei.
🇳🇱 Oranje im Aufbruch: Wandelvoetbal mit Format
Der niederländische Fußball hat früh erkannt, dass der Sport für Ältere nicht nur ein Gesundheitsthema ist, sondern auch ein kulturelles. Wandelvoetbal ist in den Niederlanden bereits seit über zehn Jahren etabliert, mit einer Vielzahl von Vereinsangeboten, strukturierten Turnieren und wachsender medialer Aufmerksamkeit.
Zur Krönung dieser Entwicklung tritt im Oktober ein niederländisches Nationalteam bei der Walking Football World Championship in Spanien an. Geleitet wird das Team von Hans van Breukelen, einer Fußballlegende: Europameister 1988, langjähriger Keeper des PSV Eindhoven und später in Führungsfunktionen beim KNVB (Königlich Niederländischer Fußballverband).
Mit seiner Erfahrung, seiner Ausstrahlung und seiner Überzeugungskraft bringt van Breukelen das nötige Gewicht mit, um Wandelvoetbal auf internationaler Bühne seriös und zukunftsfähig zu präsentieren. Das Team – bestehend aus ehemaligen Amateuren und ambitionierten Freizeitspielern – hat nur ein Ziel: zeigen, dass Fußball keine Altersgrenze kennt.
🇩🇪 Deutschland? Fehlanzeige.
Und was macht Deutschland – das Land der Fußballakademien, der EM-Ausrichter 2024, der fußballerischen Selbstverwirklichung auf allen Ebenen?
Es bleibt der WM fern.
Trotz vieler regionaler Initiativen, wachsender Communities und engagierter Akteure – wie bei WF United Leipzig oder Plattformen wie gehfussball-deutschland.de – fehlt ein nationaler Verband, der Walking Football systematisch fördert, bündelt und international vertritt.
Es existieren DFB-Richtlinien für Walking Football. Es gibt erste Pilotprojekte auf Landesverbandsebene. Aber: kein Auswahlteam, keine Turnierteilnahme, keine klare Strategie.
🌍 Zwei Fußballnationen, zwei Wege
Der Vergleich zwischen den Niederlanden und Deutschland offenbart mehr als nur sportpolitische Unterschiede. Er zeigt, wie unterschiedlich das Thema aktive Teilhabe älterer Menschen am Sport interpretiert wird:
| Niederlande | Deutschland |
|---|---|
| Wandelvoetbal: landesweit verankert | Gehfußball: stark lokalisiert |
| Nationalteam mit Promi-Coach | Kein offizielles Auswahlteam |
| Mediale Präsenz und Imageförderung | Wenig öffentliche Wahrnehmung |
| Strategische Einbindung durch KNVB | Punktuelle Förderung durch Vereine |
📝 Resümee: Deutschland im Stand-by-Modus
Während Oranje den Ball im Gehen über den Platz bewegt, verharrt Deutschland im organisatorischen Stand-by. Dabei ist das Potenzial längst da: Zehntausende Fußballinteressierte im Alterssegment 50+, eine stabile Vereinslandschaft, ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein.
Was fehlt, ist der mutige institutionelle Schritt, das Thema Walking Football auf die Agenda zu setzen – nicht als Kuriosität, sondern als ernstzunehmende Sportart mit gesellschaftlicher Relevanz.
Die Niederlande zeigen: Wandel ist möglich – auch im Gehen.
Fußnote:
Vielleicht braucht es keinen Hans van Breukelen in Deutschland – aber es braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen, Strukturen schaffen und das Spielfeld öffnen. Für mehr Bewegung, mehr Miteinander – und vielleicht auch für eine deutsche Teilnahme bei der nächsten WM.

