Walking Football in Europa – ein Spiel, viele Rückpassregeln

Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt: Mal darf der Keeper zugreifen, mal gar nicht – und manchmal fehlt er ganz.

Walking Football wächst rasant in Europa – doch ein einheitliches Regelwerk gibt es nicht. Je nach Verband, Region oder sogar Verein gelten andere Vorschriften. Besonders deutlich zeigt sich das am Beispiel der Rückpassregel: Darf der Torwart einen vom Mitspieler gespielten Ball mit der Hand aufnehmen – oder nicht? Ein Blick über die Grenzen zeigt große Unterschiede.

England – Rückpass ausdrücklich erlaubt

In England, wo der Sport seinen Ursprung hat, gilt die Walking Football Association (WFA) als maßgeblich. Dort sind Rückpässe unbegrenzt erlaubt – und der Torwart darf den Ball auch direkt mit der Hand aufnehmen. Damit wird das Spiel verlangsamt und sicherer, zugleich aber auch torärmer.

Frankreich – Torwart mit Sonderrechten

Die französische Association Française de Football en Marchant (AFFM) geht in eine ähnliche Richtung: Rückpässe sind erlaubt, und der Torwart darf den Ball mit Händen oder Füßen kontrollieren. Er hat dabei allerdings nur sechs Sekunden Zeit, um das Spiel fortzusetzen.

Interessant: Parallel veröffentlichte Dokumente des französischen Fußballverbands (FFF) und der internationalen FIWFA legen strengere Maßstäbe an – dort wäre die Handaufnahme nach Rückpass verboten. Frankreich lebt damit einen regelrechten Spagat zwischen Praxis und Theorie.

Italien – Zwei sind erlaubt, drei sind zu viel

Die Italiener haben einen Sonderweg eingeschlagen. Dort darf eine Mannschaft dem Torwart während einer Aktion höchstens zweimal hintereinander zurückspielen. Beim dritten Rückpass in derselben Spielphase entscheidet der Schiedsrichter auf indirekten Freistoß für den Gegner. Damit will man verhindern, dass sich Spiele im endlosen Hin-und-her zwischen Verteidigern und Keeper festfahren.

Deutschland – Regelvielfalt statt Einheit

In Deutschland existiert (noch) kein einheitliches Regelwerk.

  • Manche Landesverbände spielen streng nach DFB-Vorbild – hier gibt es keine Torhüter, Rückpässe sind damit ausgeschlossen und eine Handaufnahme ohnehin verboten.
  • Andere orientieren sich am englischen Modell und lassen den Keeper auch nach Rückpass zugreifen.
  • Wieder andere, etwa bei Pilotprojekten in Norddeutschland, testen Varianten mit Torwart, bei denen das Rückpassthema komplett ignoriert wird.

Das Ergebnis: Wer in Hamburg spielt, erlebt womöglich ein anderes Regelverständnis als in München.

Spanien & Schottland – nah bei England

Auch in Spanien und Schottland folgt man weitgehend den englischen Grundlinien: Rückpässe sind unbegrenzt erlaubt, Torhüter dürfen den Ball mit der Hand aufnehmen.

Madeira & Mitteleuropa – ganz ohne Keeper

Ganz anders sieht es auf Madeira oder bei neueren Formaten in Österreich, Belgien, den Niederlanden und Kroatien aus: Dort wird Walking Football teilweise ohne Torhüter gespielt. Gespielt wird auf kleine Tore – Rückpassregel erübrigt sich hier komplett.

Zusammenfassend lässt sich sagen, es ist Vielfalt statt Einheit

Ob England, Frankreich, Italien oder Deutschland: Die Rückpassregel zeigt exemplarisch, wie unterschiedlich Walking Football in Europa ausgelegt wird. Während manche Länder den Torhüter stark einbinden, setzen andere auf klare Begrenzungen oder streichen ihn gleich ganz.

Die Diskussion um einheitliche Regeln läuft – doch vielleicht ist gerade diese Vielfalt ein Teil der Faszination: Jedes Land interpretiert den langsamen Fußball auf seine Weise.