Walking Football braucht eigene Schiedsrichter

und warum das auch der DFB verstehen sollte

Ein Plädoyer für den WFA Germany Referee Course

Walking Football ist längst mehr als eine nette Freizeitidee für „ältere Semester“. Die Spielform hat sich in Deutschland zu einem ernstzunehmenden Bestandteil des Breiten-, Gesundheits- und Inklusionssports entwickelt. Immer mehr Vereine, Kommunen und Initiativen entdecken das Potenzial: Bewegung ohne Überforderung, Wettbewerb ohne Verletzungsrisiko, Gemeinschaft statt Tabellenstress.

Doch mit dem Wachstum kommt eine entscheidende Frage auf den Tisch:

Wer leitet eigentlich diese Spiele?

Walking Football ist Fußball – aber nicht dieser Fußball

Auf den ersten Blick scheint die Antwort einfach: Schiedsrichter gibt es doch genug. Der DFB bildet sie schließlich seit Jahrzehnten aus.

Doch genau hier liegt das Missverständnis.

Walking Football folgt einem eigenständigen Regelwerk. Kein Laufen, kein Grätschen, begrenzte Ballhöhe, stark reduzierter Körperkontakt. Entscheidungen werden anders bewertet, Situationen anders gelesen, Kommunikation anders geführt.

Ein klassisch lizenzierter Schiedsrichter ist dafür nicht automatisch vorbereitet – und oft auch gar nicht motiviert, diese besondere Spielform zu leiten.

Das ist kein Vorwurf. Es ist schlicht eine Frage der Passung.

🧑‍⚖️ Schiedsrichtermangel trifft Walking Football doppelt

Der bekannte Schiedsrichtermangel im deutschen Fußball wirkt sich im Walking Football besonders stark aus:

  • Spiele werden ohne neutrale Leitung ausgetragen
  • Entscheidungen werden „untereinander“ geklärt
  • Konflikte bleiben ungelöst oder eskalieren unnötig
  • Turniere sind organisatorisch schwer abzusichern

Kurz gesagt:

Eine wachsende Sportart ohne qualifizierte Spielleitung ist keine nachhaltige Sportart.

Die Antwort: der WFA Germany Referee Course

Der WFA Germany Referee Course setzt genau hier an.

Nicht als Konkurrenz zum DFB, sondern als Ergänzung, Entlastung und Brückenlösung.

Ziel ist es, speziell für Walking Football qualifizierte Spielleiterinnen und Spielleiter auszubilden, die:

  • das Regelwerk sicher beherrschen
  • typische Spielsituationen erkennen und richtig bewerten
  • kommunikativ, deeskalierend und fair auftreten
  • die Werte des Walking Football leben: Respekt, Gesundheit, Inklusion

Der Kurs ist modular aufgebaut, praxisnah und anschlussfähig an internationale Standards.

Warum Landesverbände und DFB profitieren würden

Die entscheidende Erkenntnis lautet:

Walking Football stellt keine Systemfrage – sondern löst ein Systemproblem.

Der WFA Referee Course:

  • entlastet bestehende Schiedsrichterstrukturen
  • schafft niedrigschwellige Ehrenamtsangebote
  • bindet ehemalige Schiris, Ü50-Sportler und Quereinsteiger
  • stärkt Prävention, Teilhabe und lebenslanges Fußballspielen

Er ersetzt keine Lizenzen.

Er greift keine Kompetenzen an.

Er fordert keine Strukturreformen.

Er ermöglicht.

Der realistische Weg: Anerkennung statt Konfrontation

Niemand erwartet, dass Landesverbände oder der DFB morgen neue Lizenzstufen einführen. Was es braucht, ist ein pragmatischer erster Schritt:

  • Pilotprojekte auf Landesebene
  • Anerkennung als empfohlene Qualifikation für Walking Football
  • Kooperation statt Hierarchie
  • Lernen aus der Praxis statt Papierdiskussion

Walking Football ist dynamisch, ehrenamtlich getragen und lokal verankert. Genau deshalb braucht es flexible Lösungen – nicht starre Zuständigkeiten.

Unser Resümee: Jetzt ist der richtige Moment

Walking Football steht an einem Punkt, an dem sich entscheidet, ob es dauerhaft wächst oder strukturell ausgebremst wird. Ohne qualifizierte Spielleitung wird es nicht funktionieren.

Der WFA Germany Referee Course ist kein Angriff auf bestehende Systeme, sondern ein Angebot an sie.

Oder anders gesagt:

Wir wollen nichts ersetzen. Wir wollen ermöglichen!

Und vielleicht ist Walking Football am Ende genau das, was der Fußball insgesamt gerade braucht:

Ein Schritt weniger Tempo – und dafür mehr Haltung.

GEHZETTE – Gemeinschaft vor Tabelle.