Vom Verbot zur Vielfalt

„Frauenfußball damals“ vs. „Gehfußball heute“

Ein betrachtender Einwurf von Jōne Rīkke 

Es wirkt heute fast absurd: Als der Deutsche Fußball-Bund (DFB) im Oktober 1970 das 15 Jahre währende Verbot des Frauenfußballs aufhob, geschah dies nur unter kuriosen Bedingungen. Spiele sollten nur bei „milder Witterung“ stattfinden dürfen – als ob Regen, Kälte oder Hitze die Gesundheit von Fußballerinnen stärker gefährden könnten als die ihrer männlichen Kollegen. Diese sogenannte Wetterklausel steht sinnbildlich für eine Zeit, in der Frauenfußball zwar geduldet, aber nicht wirklich ernst genommen wurde.

Die Geschichte des Frauenfußballs ist eine Geschichte von Ausschluss, Widerstand und schließlich Anerkennung. 1955 hatte der DFB das Spielen für Frauen schlicht untersagt – mit der Begründung, Fußball sei der „Natur des Weibes fremd“. Erst der gesellschaftliche Wandel der 1960er-Jahre brachte Bewegung in diese starre Haltung. Mit der Aufhebung 1970 öffnete sich eine Tür, auch wenn Frauen zunächst nur „Fußball light“ spielen durften: kürzere Spielzeit, kleinerer Ball, keine Stollenschuhe, dazu die Wetterklausel. Erst nach und nach wurden diese Sonderregeln abgeschafft, bis Frauen im Fußball gleichberechtigt antreten konnten.

Ein halbes Jahrhundert später erleben wir mit dem Gehfußball eine ganz andere Debatte – und doch lassen sich Parallelen ziehen. Auch hier stehen Sonderregeln im Zentrum: kein Laufen, Ball nicht über Hüfthöhe, kleinere Spielfelder. Anders als damals sind sie jedoch kein Ausdruck von Misstrauen, sondern von Fürsorge und Inklusion. Walking Football ist nicht „Fußball light“, sondern Fußball neu gedacht – zugeschnitten auf Menschen, die auch im höheren Alter oder mit Einschränkungen Teil des Spiels bleiben wollen.

Was Frauenfußball und Gehfussball verbindet, ist der Kampf um Anerkennung. Beide wurden und werden belächelt – mal als „unweiblich“, mal als „Seniorenkick“. Und beide tragen das Potenzial in sich, den Fußball zu verändern. Der Frauenfußball hat längst bewiesen, dass er kein Anhängsel ist, sondern Spitzensport mit eigenem Publikum. Der Gehfußball steht erst am Anfang, zeigt aber schon jetzt, dass Fußball keine Frage von Alter oder Geschwindigkeit ist.

So wird aus der „Wetterklausel“ von einst ein Mahnmal: für den Versuch, Teilhabe einzuschränken. Und aus dem Walking Football von heute ein Versprechen: dass Fußball künftig für alle da ist – unabhängig von Geschlecht, Alter oder Tempo.