

Was machen eigentlich unsere Nachbarn?
👉 „Über den Tellerrand“ ist die neue monatliche Kolumne der GEHZette, dem Online-Magazin bei Gehfusssball Deutschland. Sie blickt über Grenzen, Klischees und kulinarische Genüsse hinaus – und entdeckt, wo Walking Football die Welt ein Stück näher zusammenbringt.
Oktober 2025 – Polen 🇵🇱
Demnächst hier: Über den Tellerrand – Polen im Schritttempo
September 2025 – Italien 🇮🇹
Pizza, Pasta, Risotto – und ein Abstecher ins Novarello Sport Center im Piemont. Dort trafen wir Vito Gibin und erleben, wie die Italiener Walking Football mit „Dolce Vita“ würzen.
August 2025 – Belgien 🇧🇪
Pommes frites, Pralinen und Senioren, die im Dienstencentrum Bosuil den Ball rollen lassen. Zwischen Deurne und Royal Antwerp entdeckt man, dass Fußball auch im Schritttempo voller Leidenschaft steckt.
Über den Tellerrand – Italien im Schritttempo

Wenn Deutsche an Italien denken, dann ist das Klischee schnell zur Hand: Pasta, Pizza, Vino, temperamentvolle Gesten – und natürlich il calcio, der Fußball. Von Inter gegen Milan im San Siro bis zur Dorfmannschaft auf staubigem Kunstrasen – in Italien rollt der Ball überall. Aber was passiert, wenn das „Bel Paese“ plötzlich das Tempo rausnimmt? Willkommen beim Walking Football made in Italy.
Bella Figura – auch im Schritttempo
Unsere Reise führte uns nach Novarello im Piemont, wo das moderne Sportzentrum nicht nur Nachwuchstalente ausbildet, sondern auch Platz macht für jene, die nicht mehr rennen müssen, um Fußball zu leben. Dort trafen wir Vito, einen der Botschafter des Walking Football in Italien. Und ja – er zeigt uns, dass man selbst mit 70 noch bella figura machen kann, wenn man die richtige Mischung aus Ballgefühl, Erfahrung und italienischem Charme mitbringt.
Taktiktafel mit Espresso
Schon beim Warmmachen merkt man: Hier geht es nicht um Geschwindigkeit, sondern um Genuss. Ein Passspiel im Dreieck? Klar. Aber zwischendurch ein kurzer Espresso? Auch das gehört zum Rhythmus. Die Italiener beweisen, dass Walking Football mehr ist als Sport – es ist ein Stück dolce vita.
Vom Catenaccio zur Camminata
Wer Italien sagt, sagt auch „Catenaccio“ – die berühmte Beton-Abwehr. Beim Walking Football heißt das: eine Abwehrkette, die garantiert niemand übersprintet. Aber Achtung: Der Pass in die Tiefe kommt trotzdem – auch wenn der Stürmer noch zwei Minuten braucht, um ihn zu „erlaufen“.
Was wir mitnehmen
Walking Football in Italien ist ein bisschen wie ein Teller Spaghetti: Man kann es nicht hetzen, man muss es genießen. Es ist Teamgeist, Bewegung, Lachen – und am Ende vielleicht ein Gläschen Rotwein. Während in Deutschland die Diskussion läuft, ob man im Schritttempo überhaupt ins Schwitzen kommen kann, beweisen die Italiener: Fußball ist eine Lebensart – egal wie schnell du gehst.
Über den Tellerrand – Belgien im Schritttempo

Von Pommes und Pralinen zum Walking Football: Wie Deurne bei Antwerpen zeigt, dass Fußball auch im Gehen voller Leidenschaft sein kann.
Belgien ist kulinarisch ein Schwergewicht: knusprige Pommes frites mit Mayonnaise, süße Waffeln und Schokoladenpralinen, die längst Weltruhm genießen. Für viele Deutsche ist unser Nachbarland genau dafür bekannt – und vielleicht noch für seine Dreisprachigkeit und das vermeintlich graue Wetter. Doch hinter diesen Klischees verbirgt sich eine Sportkultur, die überrascht.
Walking Football im Seniorenheim
Im Dienstencentrum Bosuil in Deurne wagten sich hochbetagte Bewohnerinnen an eine Partie Walking Football. Anders als beim klassischen Spiel wird hier nicht gelaufen, sondern gegangen. Körperkontakt ist tabu, der Ball bleibt flach – und trotzdem sprüht das Spiel vor Ehrgeiz, Freude und Teamgeist. Für die Seniorinnen ist es mehr als Bewegung: Es ist Teilhabe, Begegnung und sportlicher Spaß, der alle ins Schwitzen bringt.
SV Deurne macht es vor
Auch der Sportverein SV Deurne hat Walking Football fest ins Programm aufgenommen. Dort trainieren Spielerinnen und Spieler ab 60 regelmäßig. Für viele ist es die ideale Möglichkeit, Fußball weiterzuspielen, ohne die Belastung eines laufintensiven Spiels auf sich zu nehmen. Kleine Turniere, Taktik und jede Menge Geselligkeit machen den besonderen Reiz aus.
Blick ins Stadion
Und während in Deurne schon gekickt wird, richtet sich der Blick unweigerlich auch auf den großen Bruder im Stadtteil: Royal Antwerp FC und das legendäre Bosuilstadion. Noch gibt es dort kein Walking-Football-Angebot – doch die wachsende Beliebtheit lässt vermuten, dass auch Profi-Clubs künftig die Idee aufgreifen könnten, um ältere Fans stärker einzubinden.
Mehr als ein Trend
Walking Football ist längst mehr als eine sportliche Randerscheinung. Es verbindet Gesundheit, Gemeinschaft und Spielfreude – unabhängig vom Alter. Belgien zeigt, wie man mit ein wenig Tempo rausnehmen neuen Schwung ins Leben bringt.

