Streit um den Geist des Spiels
Wie „Walking Football“ seine Wurzeln zu verlieren droht

Was einst als sanfte, inklusive Variante des Fußballs begann, hat sich zu einer hitzig geführten Debatte entwickelt. In Foren und Facebook-Gruppen diskutieren Spieler aus aller Welt über die Zukunft des Walking Football – oder wie es in Deutschland heißt: WALKBALL™.
Zwischen Gesundheit und Ehrgeiz
Die Grundidee war einfach: Menschen, die früher Fußball gespielt haben, sollten weiterhin aktiv bleiben können – ohne Verletzungsrisiko, ohne Leistungsdruck. Gehen statt rennen, fair statt hart, Gemeinschaft statt Konkurrenz. Doch viele Spieler klagen inzwischen darüber, dass sich der Sport in eine andere Richtung bewegt.
So bringt es Rusty Shaw in einem Facebook-Kommentar auf den Punkt:
„The sport was invented to enable knackered old men to play football again. But it has been invaded by ex pros and able-bodied players who should be playing vets football.“
(„Die Sportart wurde erfunden, um abgekämpften alten Männern zu ermöglichen, wieder Fußball zu spielen. Aber inzwischen wurde sie von ehemaligen Profis und körperlich fitten Spielern dominiert, die eigentlich im Altherrenfußball spielen sollten.“)
Shaw ist nicht allein mit seiner Kritik. Viele empfinden die zunehmende Härte und das steigende Tempo als Verrat an den Grundprinzipien.
„Die Schiris pfeifen zu selten“
Auch Jackie Wood sieht ein Kernproblem in der Durchsetzung der Regeln:
„People are getting faster because refs don’t blow the whistle enough. If you blow every time someone runs, they’ll learn. It’s down to the rules, end of.“
(„Die Spieler werden immer schneller, weil die Schiedsrichter nicht oft genug pfeifen. Wenn man jedes Laufen konsequent ahnden würde, würden sie es lernen. Am Ende geht es um die Regeln – Punkt.“)
Andere fordern Anpassungen, um den ursprünglichen Charakter des Spiels zu bewahren. Craig Lipka etwa schlägt vor, das Passspiel stärker in den Vordergrund zu rücken:
„Not being allowed to travel with the ball and no tackles would help stop running. Make it more of a passing game.“
(„Wenn man den Ball nicht mitführen darf und Zweikämpfe verbietet, würde das Laufen aufhören. Das Spiel sollte mehr auf Pässe ausgelegt sein.“)
Nostalgie vs. Modernisierung
Viele langjährige Spieler erinnern sich an eine entspanntere Anfangszeit. Rodney Simpson schreibt:
„When I first played, it was soft but competitive – trainers, no shin pads, no pro boots. It’s just gone stupid now.“
(„Als ich angefangen habe, war es locker, aber trotzdem spannend – Turnschuhe, keine Schienbeinschoner, keine Profischuhe. Heute ist es einfach übertrieben.“)
Zwischen zwei Welten
Auf der anderen Seite argumentieren Spieler wie Bernard Bustin, dass zu häufiges Unterbrechen den Spielfluss zerstört:
„If you blow every time someone runs, there would be seconds between. No one would want to play.“
(„Wenn man jedes Mal pfeift, wenn jemand läuft, gäbe es alle paar Sekunden Unterbrechungen. Da hätte keiner mehr Lust zu spielen.“)
Andere, wie Tony Hampson, sehen das Problem pragmatisch:
„We tend to accept jogging, especially in winter – walking is too cold!“
(„Im Winter akzeptieren wir oft leichtes Joggen – Gehen ist einfach zu kalt!“)
Der Kern der Debatte
Am Ende geht es um die Identität dieser Sportart. Soll Walking Football ein gemütliches Freizeitspiel für alle bleiben – oder sich zu einer echten Wettkampfform entwickeln?
Die Wahrheit liegt wohl dazwischen. Ohne klare Regeln verliert das Spiel seine Seele. Doch ohne Begeisterung, Ehrgeiz und Dynamik fehlt ihm der Reiz.
WALKBALL™ versucht, genau diese Balance zu schaffen – mit einem klaren Regelwerk, sozialem Fokus und einem Gesundheitsansatz, der Sport, Ernährung und Gemeinschaft vereint.
Denn das Ziel bleibt: Menschen in Bewegung bringen – ohne Druck, aber mit Leidenschaft.

