SG Bad Dürrenberg – Vom Couch-Impuls zum Landesmeistertitel
Vereine & Menschen im Walking Football
Interviewpartner: Thorsten Schmidt, Saline Gehfussball / SG Bad Dürrenberg e.V.

Vom belächelten „Gehen“ zur echten Bewegung
Manchmal beginnt alles mit einem Klick. In Bad Dürrenberg war es tatsächlich YouTube, das Mitte 2023 den entscheidenden Impuls gab. Gehfußball? Erst wurde gelächelt. Dann gespielt. Und plötzlich war klar: Das macht „sau“ viel Spaß.
Sechs Männer, eine lose Trainingsgruppe, „komische Plätze“ – und eine Idee, die größer war als gedacht. 2024 folgten die ersten Turniere als eigener Verein. Doch nicht alles lief rund. Organisatorische Schwierigkeiten führten Ende 2024 zur Auflösung.
Aufgeben? Keine Option.
Als Freizeitteam „Saline Team Gehfussball“ machten sie weiter. Im März 2025 dann der nächste, entscheidende Schritt: der Eintritt in die SG Bad Dürrenberg e.V.. Die Verantwortlichen reagierten sofort positiv, gründeten eine eigene Sektion und unterstützten das Team – organisatorisch wie finanziell.
Durch eine Spende der Stadt konnten zwei offizielle Gehfußballtore angeschafft werden. Endlich stabile Strukturen. Endlich Fokus aufs Wesentliche: Training.
Und es zahlte sich aus.
Landesmeister FSA 2025.
Vom Sechser-Kern zu 18 Begeisterten
Was mit sechs „Leutchen“ begann, ist heute ein Team aus 18 aktiven Gehfußballern. Die Altersstruktur? Bunt gemischt und generationenübergreifend:
- mehrere Ü70
- einige Ü65
- einige Ü60
- zwei „Küken“: Thorsten (58) und Alex (46)
Fast alle kommen aus dem klassischen Fußball. Nur Thorsten selbst nicht. Seine Geschichte ist besonders: Er begleitete seine Großnichte zu ihren Spielen – heute spielt sie in der 1. Frauenmannschaft des HFC. Irgendwann dachte er sich: „Na, da kannste auch spielen… Spielen ja – aber können?“
Die Antwort: Trainieren. Lernen. Dranbleiben.
Training mit Haltung
Trainiert wird einmal pro Woche. Kurze Erwärmung – dann direkt ins Spiel. Inzwischen sind meist 14 Spieler auf dem Platz.
Der Fokus liegt klar auf dem Lernen durch Spielen. Regeln werden nicht theoretisch gepaukt, sondern praktisch verinnerlicht.
Der Spielstil?
„Kreativ wegen der Regeln – sonst körperlos-technisch (schaffen wir fast immer).“
Fairness ist dabei keine Floskel, sondern Fundament. Kommunikation gehört genauso dazu wie Disziplin. Die Regeln sind manchmal die größte Herausforderung – aber auch das größte Lernfeld.
Vom 16. Platz zum Landesmeister
Anfang 2025 belegte das Team beim Regionalturnier in Leipzig Platz 16 von 18.
Man könnte sagen: Lehrgeld.
Nur wenige Monate später folgte der Titel in Sachsen-Anhalt. Dieser Weg – vom unteren Tabellenende zur Landesmeisterschaft – schweißte das Team zusammen.
Gemeinschaft entsteht nicht durch Siege allein, sondern durch Zusammenhalt. Und durch Spaß. Ohne ihn, sagt Thorsten, gäbe es weder das Team noch die Erfolge.
Nach jedem Training nehmen sie etwas mit nach Hause:
Ein gutes Gefühl. Etwas für die Gesundheit getan zu haben. Auch wenn es hier und da zwickt.
Ehrgeiz ja – aber nicht um jeden Preis
Ziele? Natürlich. Titel verteidigen? Warum nicht.
Aber im Vordergrund stehen Training, Turniere und die Freude am Spiel. Der Ehrgeiz ist da – doch er dient dem Team, nicht umgekehrt.
Thorste sieht die Entwicklung des Walking Footballs sehr positiv. Er lobt die Unterstützung durch Verbände und engagierte Akteure. Der Sport wächst rasant – und das zu Recht.
„Vom Sofa auf den Platz“
Seine Botschaft an andere Vereine und Spieler ist klar:
Turniere anschauen. Einen Verein suchen. Oder den eigenen begeistern.
Walking Football habe ihn „wortwörtlich von der Couch gerissen“.
Freuen, leiden, gemeinsam spielen – ein Jungbrunnen für ehemalige Fußballer.
Walking Football in einem Satz?
„Komm hoch, spiel Gehfußball – das ist der entscheidende Kick. In jeder Hinsicht.“
sagt Thorsten vom Saline Gehfussball
GEHZETTE meint:
Was bleibt?
Eine Geschichte über Beharrlichkeit. Über Teamgeist. Über den Mut, nach Rückschlägen weiterzumachen. Und über die Erkenntnis, dass Fußball nicht schneller wird, wenn man älter wird – sondern bewusster.
Oder anders gesagt:
Manchmal muss man erst gehen, um wieder richtig in Bewegung zu kommen.

