Pilotlehrgang für DFB Walking-Football-Zertifikat
Neuer Impuls für den Breitenfußball – Der Berliner BFV startet Pilot-Lehrgang für das DFB Walking-Football-Zertifikat

Berlin. Der Berliner Fußball-Verband (BFV) hat mit seinem aktuellen Pilot-Lehrgang zum DFB-Walking-Football-Zertifikat einen wichtigen Schritt unternommen, um die Fußballlandschaft in der Hauptstadt um eine innovative, generationenübergreifende Sportform zu erweitern. Der Lehrgang, der vom 24. Oktober bis 8. November 2025 stattfindet und Präsenzphasen Anfang November vorsieht, zielt darauf ab, Multiplikator*innen in den Vereinen auszubilden und Walking Football fest im Berliner Vereinsfußball zu verankern.
Hintergrund: Was ist Walking Football – und warum ein Zertifikat?
Walking Football, im Deutschen oft „Gehfußball“ genannt, ist eine schonende Variante des klassischen Fußballs, bei der Laufen verboten ist – stattdessen gilt: stets ein Fuß am Boden. Weitere Regeln wie die Ballhöhe (keine Pässe über Hüfthöhe), das Verbot harter Zweikämpfe sowie der Verzicht auf Abseits verstärken den Fokus auf Tempo, Technik und Gemeinschaft.
Der Deutsche Fußball-Bund hat das Walking Football Trainer*innen-Zertifikat entwickelt, um eine fundierte Aus- und Fortbildung für Trainer*innen und Übungsleitende zu ermöglichen. Der Lehrgang vermittelt Basiswissen zu altersgerechtem Training, gesundheitlichen Aspekten, Vereinseinbindung und methodischen Inhalten.
Bisher fanden bereits Pilotveranstaltungen in anderen Landesverbänden statt – etwa in Nordrhein-Westfalen (FVN, FVM, FLVW) in Duisburg-Wedau. Ziel dieser Veranstaltungen war es, praxisnahes Wissen zu vermitteln und erste Erfahrungen mit dem Zertifikat zu sammeln. Auch im Norden (Schleswig-Holstein) wurde ein Lehrgang erfolgreich durchgeführt.
Der Berliner Pilotlehrgang: Konzept und Ablauf
Der BFV setzt auf ein Blended-Learning-Format:
- Digitale Phase (24.10.–6.11.2025): Teilnehmende bearbeiten Inhalte zeitlich flexibel online, z. B. über Lernplattformen, Webinare und Aufgaben.
- Präsenzphase (7.–8.11.2025, Sportschule Wannsee): In Workshops, praktischen Einheiten und Austauschformaten wird das Wissen vertieft und direkt angewandt. Übernachtung und Verpflegung sind im Kurs enthalten.

Angesprochen sind Trainerinnen, Übungsleiterinnen und Vereinsverantwortliche, die Walking Football im eigenen Verein etablieren möchten. Ziel ist, dass sie mit dem neu erworbenen Wissen eigene Angebote im Verein initiieren oder ausbauen können.
Ein weiterer Anreiz: Über die Teilnahme lassen sich Qualifikationspunkte im BFV-System sammeln. Die Anmeldung ist bis zum 15. Oktober 2025 möglich.
Chancen und Herausforderungen aus Sicht des Verbands
Chancen
- Mitgliedergewinnung und Vereinsbindung
Walking Football spricht Menschen an, die aus Alters- oder gesundheitlichen Gründen dem klassischen Fußball entwachsen sind – zugleich ermöglicht es neue Zielgruppen wie Wiedereinsteiger oder solche mit Bewegungseinschränkungen aktiv einzubinden.Vereine könnten so ihre Mitgliederbasis erweitern und soziale Bindungen stärken. - Gesundheit und Prävention
Viele gesundheitliche Vorteile, etwa für Herz-Kreislauf-Leistung, Beweglichkeit oder Gelenke, lassen sich mit dieser Sportform fördern. In der Lehre des Zertifikats werden medizinische Grundlagen und sicherheitsrelevante Aspekte vermittelt. Zudem ist Walking Football in Deutschland durch das DFB-System als Präventionsangebot anerkannt. - Qualitätssicherung durch Zertifikat
Durch strukturierte Ausbildung wird sichergestellt, dass die Angebote in den Vereinen auf einer fundierten Basis umgesetzt werden – das steigert Professionalität und Akzeptanz. Das Zertifikat vermittelt nicht nur Regeln, sondern methodisches Know-how und Reflexion über Rolle und Werte einers Trainerin. - Netzwerk und Austausch
Die Präsenzphasen bieten Raum für Vernetzung, Erfahrungsaustausch und Ideenentwicklung über Vereinsgrenzen hinweg. In den bisherigen Pilotprojekten wurden diese Elemente als besonders gewinnbringend hervorgehoben.
Herausforderungen
- Interesse und Resonanz
Damit das Projekt nicht nur theoretisch bleibt, ist eine ausreichende Zahl aktiver Teilnehmender wichtig – sowohl für den Pilotlehrgang als auch langfristig für Vereinsangebote. - Infrastruktur und Ressourcen im Verein
Nicht jeder Verein hat geeignete Plätze, Zeitressourcen oder Personen mit Kapazität, um Walking Football zusätzlich anzubieten. - Nachhaltigkeit und Begleitung
Ein einmaliger Lehrgang reicht nicht aus — Dauerhafte Begleitung, Austauschformate und Rückkopplung sind entscheidend, um die Angebote lebendig zu halten. - Messbare Wirkung
Um langfristig Fördermittel oder Anerkennung zu rechtfertigen, muss der Erfolg des Projekts (Zahl der neuen Angebote, Teilnehmende, gesundheitsbezogene Effekte) dokumentiert und evaluiert werden.
Einschätzungen und Erwartungen
Der Präsident des BFV, Bernd Schultz, führt den Verband seit vielen Jahren und bringt Erfahrung als Funktionär auf Landes- und Bundesebene mit – seine Unterstützung der Initiative unterstreicht, dass Walking Football im Verband mehr als ein Randthema sein soll.
Andere Verbände, wie etwa der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW), haben bereits positive Rückmeldungen aus den Pilotlehrgängen gemeldet: Praxisorientierung, motivierende Lernumgebung und die Möglichkeit, den Sport auf Vereinsebene zu etablieren, wurden hervorgehoben.
Wenn der BFV-Lehrgang gelingt und ausstrahlt, könnte Berlin zu einem Motor für Walking Football in Deutschland werden. Wichtig ist, dass der Impuls nachhaltig begleitet wird, dass Vereine unterstützt werden und dass Erfolge sichtbar gemacht werden.
Mit dem Pilot-Lehrgang für das DFB Walking-Football-Zertifikat wagt der Berliner Fußball-Verband einen innovativen Schritt in Richtung Inklusion, Gesundheit und generationsübergreifender Vereinsarbeit. Ob dieser Schritt zum Durchbruch wird, hängt davon ab, ob aus dem Impuls dauerhaft nachhaltig implementierte Angebote entstehen. Aber der Start ist vielversprechend – und kann ein Signal sein: Fußball – das Spiel für alle – bleibt lebendig und wandelbar.

