Herz, Mut, Walking Football – Vics zweite Halbzeit
Man ist nie zu alt, um etwas zu bewegen
Ein Gespräch mit Vic Latumahina (73) – Gründer der Maluku Oldstars Theole Tiel und niederländischer Walking-Football-Nationalspieler

Er hat den Weg vom Straßenfußballer der 1960er-Jahre bis zur Weltmeisterschaft in Spanien geschafft. Heute steht Vic Latumahina für alles, was Walking Football ausmacht: Bewegung, Gemeinschaft und Lebensfreude – auch jenseits der 70. Die GEHZETTE hat mit ihm gesprochen.
„Ich wollte zeigen, dass man auch als Älterer noch viel kann“
Vic, Sie sind 73 Jahre alt und haben an einer Weltmeisterschaft teilgenommen. Wie war das für Sie?
Es war ein großartiges Gefühl, das in meinem Alter noch erleben zu dürfen. Ich wollte zeigen, dass man auch als älterer Mensch viel erreichen kann. Ein bisschen Stolz gehört da schon dazu.
Vom Molukken-Viertel zum Verein
Wie begann Ihre Fußballgeschichte?
Ich bin in einer molukkischen Familie aufgewachsen, wo die Gemeinschaft sehr wichtig war. Als Kind hatten wir kaum etwas – nur uns und einen Ball. Wir spielten auf der Straße in der Molukken-Siedlung in Tiel.
Ein Vereinshelfer namens Jo Jansen sah uns spielen und überredete uns, beim örtlichen Verein Theole einzutreten. Er besorgte Schuhe und Trikots, weil unsere Eltern sie nicht bezahlen konnten. So fing alles an – Mitte der 1960er-Jahre.
Walking Football als soziale Bewegung
Was bedeutet Fußball heute für Sie?
Heute ist Fußball – genauer gesagt Walking Football – keine Leistungssportart mehr, sondern eine soziale Aktivität. Es geht um Begegnung, Bewegung und Freude.
Wie die Maluku Oldstars entstanden
Wie kam es zur Gründung der Maluku Oldstars Theole Tiel (MOS)?
2018 wurde ich von Joop Kols vom KNVB und dem Nationaal Ouderenfonds angesprochen. Seine Aufgabe war es, ältere Menschen mit nicht-westlichem Hintergrund in Bewegung zu bringen – aus sozialer Isolation heraus. Er wusste, dass viele Molukker in Tiel eine starke Fußballtradition haben, also gründeten wir gemeinsam MOS.
„Fußball ist nur das Bindemittel“
Was unterscheidet MOS von anderen Teams?
Unsere Gruppe lebt von der molukkischen Kultur – dem umeinander kümmern. Fußball ist nur das Bindemittel. Wir haben eine „Lief-en-Leed-Kasse“, um uns gegenseitig zu unterstützen, wenn jemand krank ist oder ein Todesfall eintritt. Und wir feiern zusammen – zum Beispiel bei unserem jährlichen Barbecue mit Live-Band.
Vielfalt als Selbstverständlichkeit
Sind bei MOS nur Molukker aktiv?
Nein, wir sind offen für alle. Es spielen auch Niederländer, Türken und Marokkaner mit. Diese Vielfalt ist für uns selbstverständlich – sie macht uns stärker.
„Sport hat mir geholfen, nach der Herz-OP wieder aufzustehen“
Sie mussten sich einer Herzoperation unterziehen. Wie haben Sie das erlebt?
Ich wurde am Herzen behandelt, bekam einen Stent eingesetzt. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass man mit Vertrauen, Durchhaltevermögen und Glauben an sich selbst auch im Alter noch viel schaffen kann.
Walking Football hat mir geholfen, wieder aktiv zu werden – man muss es nur tun und darf nicht aufgeben.
Ein stolzer Moment in Spanien
Wie war es, bei der WM in Spanien auf dem Platz zu stehen?
Ich war einfach stolz. Es war ein besonderes Gefühl, in diesem Alter für sein Land spielen zu dürfen.
Und wie war es, mit Größen wie Hans van Breukelen und Kees Kist zu arbeiten?
Beide waren inspirierende Persönlichkeiten. Sie brachten Energie und Freude ins Team – das hat uns alle zusammengeschweißt.
„Mit 22 Nationen auf einem Platz erkennt man, was möglich ist“
Was nehmen Sie aus dem Turnier mit?
Die Erkenntnis, dass Menschen aus 22 Kulturen gemeinsam auf dem Platz stehen und eine bessere, friedlichere Welt gestalten können.
Walking Football als Brücke
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass ältere Menschen aktiver werden – körperlich und geistig – und dass Walking Football eine noch stärkere verbindende Rolle zwischen Kulturen spielt.
Und was möchten Sie den Menschen in Deutschland sagen?
Das Gleiche: Geht raus, bewegt euch, spielt miteinander. Walking Football kann Generationen und Kulturen verbinden – und das Herz jung halten.
Interview: Jone Rikke
GEHZETTE – Gehfußball Deutschland

