Heiners Seitenlinienhieb in Thüringen

Kolumne am Sonntag: Gehfußball in Thüringen – hört auf zu warten!

Sonntag in Thüringen. Während im Fernsehen die Bundesliga über perfekt gestutzte Rasenflächen läuft, diskutieren wir hierzulande noch immer: Ist der Platz in Ordnung? Reicht das Material? Haben wir genug Leibchen?

Ganz ehrlich: Solange wir im Schritttempo dem Ball hinterhergehen, braucht niemand englischen Rasen. Wer beim Gehfußball auf Stadionqualität wartet, hat das Spiel nicht verstanden. In Jena haben sie einfach angefangen – beim Familienfest, auf ganz normalem Untergrund. In Weimar trifft man sich freitagabends auf dem Parksportplatz. Nichts Luxuriöses, aber die Leute gehen mit einem Grinsen vom Platz. Darum geht’s.

Natürlich: Sicherheit muss sein, keine Schlaglöcher, keine Stolperfallen. Aber die übertriebene Suche nach perfekten Bedingungen bremst uns aus. Gehfußball ist gerade für die gedacht, die wieder Bewegung wollen, die nicht mehr in der Kreisliga rennen können, aber den Ball noch lieben. Wenn wir anfangen, uns in Ausstattungsfragen zu verbeißen, verjagen wir genau diese Menschen.

Mein Seitenhieb für Thüringen: Weniger reden, mehr machen. Ob auf dem Sportplatz in Oberweimar, im Jenaer Paradies oder auf irgendeinem Bolzplatz in Suhl – der Ball rollt auch ohne Luxus. Und jedes Mal, wenn er rollt, gewinnt der Gehfußball in Thüringen an Leben.

Also: Schuhe schnüren, Platz suchen, losgehen. Alles andere ist Ausrede.