Fußball mit Haltung

Mehr als Fußball: Warum Walking Football in die Vereinsstrukturen gehört

Ein Blick nach England – und ein Auftrag für die deutsche Profilandschaft

In England gehört es längst dazu: Jeder Profiverein der Premier League und der Championship betreibt heute eine eigene Community Foundation – eine gemeinnützige Organisation, die soziale Verantwortung und sportliche Förderung in der Region bündelt.

Arsenal, Manchester City oder West Ham United zeigen seit Jahren, wie man Fußball und gesellschaftliches Engagement erfolgreich verbindet.

Und in fast allen dieser Strukturen spielt Walking Football eine zentrale Rolle.

In Deutschland hingegen steckt diese Idee noch in den Kinderschuhen. Dabei wäre gerade hier der richtige Zeitpunkt, diesen Schritt zu gehen – besonders für Vereine der Bundesliga, 2. Bundesliga und 3. Liga.

England als Vorbild: Fußball mit sozialer Verantwortung

Seit den 1980er Jahren ist in England ein ganzes Netz von „Club Charities“ entstanden.

  • Arsenal in the Community,
  • City in the Community (Manchester City),
  • Everton in the Community oder
  • Chelsea Foundation

arbeiten eng mit Schulen, Kommunen, Gesundheitsdiensten und sozialen Einrichtungen zusammen.

Ihre Programme fördern Kinder, Jugendliche, Senior:innen, Geflüchtete und Menschen mit Behinderungen.

Ein Kernelement vieler dieser Initiativen ist Walking Football – Fußball im Gehtempo, mit klaren Fairplay-Regeln und großem sozialen Mehrwert.

Es verbindet Generationen, schafft Bewegung für Menschen, die sonst keinen Zugang zum Vereinssport hätten, und steht für Inklusion im besten Sinne.

Deutschland: Zwischen Projekt und Potenzial

Auch hierzulande gibt es erste Ansätze:

Eintracht Frankfurt, Hannover 96, FC St. Pauli, 1. FC Köln, Schalke 04 oder der VfL Wolfsburg haben eigene Walking-Football-Gruppen gegründet.

Doch noch fehlt vielerorts die strukturelle Anerkennung – als fester Bestandteil der Vereinsorganisation, mit Budget, Verantwortung und öffentlicher Sichtbarkeit.

Oft sind es engagierte Einzelpersonen, Ehrenamtliche oder kleine Initiativen, die Walking Football „von unten“ aufbauen.

Sie tragen das Thema in die Vereine – mit Herz, Geduld und Überzeugungskraft.

Was jedoch fehlt, ist das klare Signal „von oben“:

Walking Football ist kein Freizeitspaß, sondern Teil der gesellschaftlichen Verantwortung eines modernen Profiklubs.

Warum Walking Football in die Strukturen gehört

1️⃣ Gesundheitsförderung & Prävention:

Fußball im Gehtempo ist Bewegung, die motiviert – für Menschen über 50, mit Vorerkrankungen oder Bewegungseinschränkungen.

2️⃣ Sozialer Zusammenhalt:

Walking Football schafft Begegnung zwischen Generationen, Kulturen und Lebensgeschichten – direkt auf dem Platz.

3️⃣ Wertevermittlung:

Fairness, Respekt, Teamgeist – alles, was Fußball groß gemacht hat, wird hier neu erlebt.

4️⃣ Image & Verantwortung:

Ein Club, der Walking Football aktiv fördert, steht glaubwürdig für Gesundheit, Inklusion und Gemeinschaft.

Das zahlt auf jede Vereinsmarke ein.

Wie Vereine profitieren können

Ein Community-Charity-Ansatz – wie in England – kann auch in Deutschland funktionieren:

  • Eigenständige soziale Einheit innerhalb des Vereins (z. B. „FCM bewegt“, „Schalke gemeinsam“, „96 sozial aktiv“)
  • Walking Football als Leitprojekt in den Themen Gesundheit, Integration, Ehrenamt
  • Förderfähigkeit über DFB, DOSB, Krankenkassen und Stiftungen
  • Synergien mit CSR-Abteilungen, Fanprojekten und Kommunen

So entsteht aus einem Freizeitangebot ein gesellschaftliches Profilprojekt.

Zitat aus den Niederlanden

„Walking Football ist kein Nostalgieprojekt, sondern Zukunftssport.

Er verbindet, was der moderne Fußball oft verloren hat: Nähe, Haltung, Menschlichkeit.“

— Vic Latumahina, KNVB Nationalspieler Walking Football

Ein Appell an die Vereine

Bundesligisten und Traditionsvereine haben die Kraft, solche Strukturen aufzubauen – und die gesellschaftliche Verpflichtung, es zu tun.

Ein Walking-Football-Bereich als Teil der Club-Community-Arbeit wäre ein starkes Zeichen:

gegen Vereinsentfremdung, für Teilhabe und Gesundheit.

Der Fußball von morgen wird nicht nur in Stadien gespielt, sondern auch auf kleinen Plätzen, wo Menschen im Gehen Pässe spielen – und sich dabei begegnen.

Schlussgedanke

Walking Football ist kein Randthema, sondern eine moderne Form des Fußballgedankens:

respektvoll, verbindend, menschlich.

Wenn deutsche Profiklubs den Mut haben, das zu erkennen und strukturell zu fördern,

dann wird aus „Community“ kein Schlagwort – sondern gelebte Verantwortung.