Fußball im Gehen – Japans Rezept für Gesundheit und Glück

Walking Football in Japan – Gesundheit, Gemeinschaft und internationale Begegnungen

Ein Interview mit Yuichiro Tsukamoto, Japan Walking Football Association (JWFA)


Dass Walking Football längst nicht mehr nur ein europäisches Phänomen ist, zeigt ein Blick nach Japan. Seit 2017 gibt es dort die Japan Walking Football Association (JWFA), gegründet von Mitsunori Sato mit der Vision, einen Sport zu schaffen, den wirklich jeder spielen kann – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Vorerfahrungen. Heute gehört Walking Football fest zum Alltag vieler japanischer Communities.

Wir haben mit Yuichiro Tsukamoto von der JWFA gesprochen, der uns spannende Einblicke in die Entwicklung, die Herausforderungen und die Zukunft des Walking Footballs in Japan gegeben hat.


Erste Schritte und Gründung der JWFA

Yuichiro Tsukamoto selbst lernte Walking Football 2018 kennen – über eine öffentliche Veranstaltung, die auf Facebook angekündigt war. Schnell war er begeistert und schloss sich den regelmäßigen Treffen an. Doch schon ein Jahr zuvor hatte Mitsunori Sato erkannt, welches Potenzial in dieser Variante des Fußballs steckt. Mit der Gründung der JWFA wollte er vor allem Gesundheit und Glück für viele Menschen fördern.


Gesundheit und Wettbewerb – zwei Seiten des Spiels

„Ich denke, es ist beides“, sagt Tsukamoto. Während die JWFA den Schwerpunkt auf Gesundheitsförderung und Freizeit legt, organisieren andere Verbände auch Wettkampfformate. Offizielle Unterstützung durch den japanischen Fußballverband (JFA) gibt es bislang nicht. Kooperationen bestehen eher mit lokalen Behörden oder sozialen Einrichtungen, etwa bei Programmen zur Förderung von Kommunikation und Gesundheit.


Wer spielt Walking Football in Japan?

Ein Blick in den KOSUGI CLUB zeigt die Vielfalt: Die Mehrheit sind Männer in den 70ern, gefolgt von Frauen ab 40 Jahren. Doch auch jüngere Erwachsene und sogar Kinder sind dabei. „Wir glauben, dass es besser ist, wenn alle – unabhängig von Alter und Geschlecht – gemeinsam spielen können.“ Insgesamt wird die Zahl der aktiven Spielerinnen und Spieler in Japan auf rund 20.000 geschätzt.


Gesundheitliche und soziale Effekte

Die Effekte sind beeindruckend: Verbesserte Balance, Haltung und Beweglichkeit, dazu mehr Selbstvertrauen – und ganz viel Freude. „Es wird immer gelacht“, betont Tsukamoto. Aber nicht nur körperlich, auch gesellschaftlich entfaltet Walking Football Wirkung: Neue Freundschaften entstehen, Familien kommen wieder mehr zusammen, und der Austausch zwischen den Generationen wächst.

Ein Beispiel bleibt besonders im Gedächtnis: Ein über 70-jähriger Mann, der zuvor nie Sport getrieben hatte und mit einer leichten Behinderung lebte, schloss sich dem Programm an. Heute ist er ein fester Bestandteil des Clubs – bekannt für seine lustigen Moves und Sprüche, die jedes Training bereichern.


Frauen, internationale Turniere und regionale Vielfalt

Besonders bemerkenswert: In Japan spielen Männer und Frauen grundsätzlich zusammen. Wenn viele Frauen teilnehmen, werden sogar reine Frauenteams gebildet – und nicht selten sind sie stärker als die Männer, sagt Tsukamoto lachend.

Auch international ist Japan aktiv: So nahm die JWFA bereits am Land Cruise Tournament in Singapur und Thailand teil. Innerhalb Japans gibt es zahlreiche Vereine, verteilt über das ganze Land. Einen klaren „Hotspot“ zu bestimmen, sei allerdings schwierig.


Herausforderungen und Zukunftsvisionen

Noch fehlen oft Strukturen für den Wettbewerbssport – Ligen, Ausstattung und finanzielle Mittel. Tsukamoto sieht die Notwendigkeit, Wettkampf und Gesundheitsförderung klarer zu trennen, um beide Bereiche gezielt weiterzuentwickeln.

Positiv ist dagegen die internationale Vernetzung: Seit 2023 ist die JWFA Teil von Walking Football 4Health Globalund tritt international als Walking Football 4Health Japan auf. Ziel ist es, das Gesundheitsprogramm sowohl in Japan als auch weltweit bekannter zu machen und gleichzeitig ein starkes Nationalteam aufzubauen.


Einladung nach Japan

Besonders freut sich Tsukamoto über die internationalen Kontakte: 2023 war ein Team aus Singapur zu Gast in Japan. Für die kommenden Jahre liegen bereits weitere Anfragen aus aller Welt vor.

Sein Wunsch: Auch Spielerinnen und Spieler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nach Japan einzuladen. „Wir werden unser Bestes tun, um ihnen japanische Gastfreundschaft zu bieten. Vielleicht möchten Sie auch Spiele in Japan austragen. Wir freuen uns darauf, Sie kennenzulernen, zu spielen und viele gemeinsame Erlebnisse zu teilen.“


Abschließend kann man sagen, dass Walking Football in Japan mehr als Sport ist – es ist ein Mittel zur Gesundheit, zur Freude und zur Verbindung von Menschen über Generationen hinweg. Mit klaren Zielen für die Zukunft, einer wachsenden internationalen Vernetzung und offenen Armen für Gäste weltweit zeigt die JWFA, wie Walking Football Brücken baut – sportlich wie kulturell.