EINWURF #1 – Die Walking Football Kolumne

Zwischen Ehrgeiz und Enttäuschung: Wenn der Sinn von Walking Football aus dem Blick gerät

Walking Football – das ist mehr als nur eine langsamere Version des klassischen Fußballs. Es ist ein Sport mit Haltung, mit Herz, mit einer Botschaft: Fairness, Gesundheit, Teilhabe, Gemeinschaft.

Doch was passiert, wenn ausgerechnet diese Grundidee in den Hintergrund gedrängt wird – durch zu viel Ehrgeiz und zu wenig Empathie? Ein altbekanntes Muster: Sieg um jeden Preis In vielen Teams – vor allem im Herrenbereich Ü60 – schleichen sich immer wieder Verhaltensmuster ein, die dem Walking Football eigentlich fremd sein sollten. Was als gemeinschaftsorientiertes Bewegungsangebot beginnt, entwickelt sich unter manchen Spielern schnell zum Spielfeld für alten Konkurrenzgeist:

• Der Ball wird nur zu den Stärksten gespielt.

• Es wird auf Geschwindigkeit statt auf Rücksicht gesetzt.

• Spieler, die konditionell oder koordinativ schwächer sind, werden schlicht ignoriert.

• Und das Wichtigste: Es zählt nur der Sieg – unabhängig vom eigentlichen Sinn des Spiels.

Verloren im Ehrgeiz: Wo bleibt die Präambel?

Dabei ist der Gedanke hinter Walking Football klar formuliert: “Gemeinschaft statt Leistungsdruck, Gesundheit statt Wettbewerb, Teilhabe statt Ausgrenzung.” Diese Grundidee scheint manchen Spielern jedoch fremd – oder schlichtweg egal zu sein. Der eigene Ehrgeiz, das Ego, das Festhalten an einem überkommenen Wettkampfgedanken verdrängt die Verantwortung gegenüber dem Team.

Der Schaden ist klar erkennbar:

• Neue und schwächere Spieler kommen nicht wieder.

• Verletzungsrisiken steigen durch unnötiges Tempo oder versteckte Fouls.

• Der soziale Wert des Trainings sinkt auf null.

• Und der eigentlich präventive Gedanke – Bewegung im Alter – verkommt zur Farce. Was tun, wenn der Vorstand schweigt? Besonders frustrierend wird es, wenn von Vereinsseite keinerlei Leitplanken gesetzt werden. Kein klares Konzept, keine Schulung, keine Wertevermittlung. Wer “am lautesten klickt”, gibt den Ton an – auf Kosten der Gemeinschaft. In solchen Fällen stehen engagierte Mitspieler oder Übungsleiter*innen vor einem Dilemma. Was hilft? Ein paar Impulse: • Offene Gesprächsrunden nach dem Training: Nicht anklagen, sondern erklären.

• Verweis auf die offiziellen Walking-Football-Leitlinien, z. B. vom DFB oder SWFV.

• Rotation beim Spielaufbau – damit jeder integriert wird.

• Trainingsleiter benennen, die das Spiel moderieren und zur Ordnung rufen können.

• Wertschätzung sichtbar machen: Wer fair spielt, soll auch dafür gelobt werden.

Walking Football braucht Haltung, nicht Helden

Es geht nicht darum, Ehrgeiz zu verbieten – sondern ihn in den Dienst der Gruppe zu stellen. Walking Football soll die Tür öffnen für Menschen, die vielleicht nicht mehr alles können – aber noch alles wollen: Gemeinschaft, Bewegung, Freude. Wer das Spiel auf “Sieg-Sieg-Sieg” reduziert, hat den wahren Wert dieses Sports nicht verstanden. Deshalb ist es an uns allen, regelmäßig daran zu erinnern, worum es eigentlich geht – und wie wertvoll es ist, wenn alle mitgenommen werden.