Norwegens Hauptstadt im Walking-Football-Fieber
Walking Football in Oslo – Wie Vålerenga Senioren zurück aufs Spielfeld bringt

Walking Football ist längst mehr als ein britisches Phänomen. Auch in Norwegen wächst die Begeisterung für die entschleunigte Variante des Fußballs. Besonders in Oslo, wo der Traditionsverein Vålerenga Fotball seit 2016 ein Walking-Football-Programm anbietet. Wir haben mit Stig H. Christensen (75) gesprochen, einer der treibenden Kräfte hinter dem Projekt.
Vom Pilotprojekt zum festen Bestandteil
Gestartet wurde das Angebot als Projekt in Zusammenarbeit mit dem European Football for Development Network (EFDN). Ziel war es, Menschen über 60 Jahren wieder zu mehr Bewegung und Gemeinschaft zu verhelfen. Das Konzept schlug sofort ein – aus einem Pilotprojekt wurde ein dauerhaftes Angebot innerhalb des Vereins.
Heute sind rund 35 Spieler aktiv, zwischen 60 und 82 Jahren alt. „Nicht alle sind bei jedem Training auf dem Platz, aber 21 Teilnehmer an einem normalen Trainingstag sind üblich“, sagt Christensen.
Training zwischen Vallhall und Stadion
Einmal pro Woche trifft sich die Gruppe auf dem Vålerenga Football Field, Valle Hovin. Im Winter wird in die große Halle Valhall ausgewichen. Die Regeln sind an den internationalen Standard angelehnt: kleine Tore, kein Tackling, kein Laufen, nur Gehen. Gespielt wird 5-gegen-5, manchmal auch 11-gegen-11.
Gesundheit, Gemeinschaft und Lebensfreude
Die Spieler profitieren in mehrfacher Hinsicht. „Unsere Teilnehmer sind körperlich und psychisch in guter Verfassung. Sie erleben, dass das Leben ein Stück heller wird, wenn man aktiv bleibt“, erklärt Christensen. Viele treffen sich nach den Einheiten noch auf einen Kaffee. Für einige sei die Gruppe ein Rettungsanker. Ein Mitspieler, der seine Frau verloren hat, fand im Team wieder Halt und Gemeinschaft.
Lokale Verankerung, internationale Kontakte
Vålerenga versteht Walking Football nicht nur als Freizeitbeschäftigung, sondern auch als Teil seiner Community-Arbeit. Über lokale Berichte in Zeitungen, die Vereinsseite und Mund-zu-Mund-Propaganda wird das Projekt bekannt gemacht. Gleichzeitig sucht man internationale Kontakte: Turniere in Norwegen, Trainingslager in Málaga oder die Teilnahme an Wettbewerben in den Niederlanden und Deutschland gehören inzwischen dazu.
Herausforderungen und Unterstützung
Ganz ohne Hürden ist die Arbeit nicht. „Es ist nicht einfach, Menschen ohne Fußballhintergrund für das Spiel zu begeistern. Für ehemalige Spieler ist der Einstieg leichter“, sagt Christensen. Zudem sind öffentliche Fördergelder zuletzt um 20 Prozent gekürzt worden. Immerhin unterstützt der Verein Vålerenga Fotball organisatorisch: man darf die Infrastruktur nutzen, erhält Trainingsmaterialien und ist fest in die Vereinsstrukturen eingebunden.
Männerdominanz – Frauen willkommen
Bislang ist Walking Football in Oslo vor allem eine Männerdomäne. „Wir hatten eine Frau, die zeitweise mittrainierte, wechselte aber zu einem anderen Club mit Frauenteam“, berichtet Christensen. Perspektivisch will man wachsen und die Gruppe stärker diversifizieren – auch Altersgruppen wie 70+ oder 75+ sollen künftig eigene Angebote erhalten.
Blick nach vorn
Für die Zukunft ist der Kurs klar: mehr Teilnehmer, mehr Teams, stärkere Vernetzung. „Walking Football verhindert Gesundheitsprobleme, das ist das Wichtigste“, so Christensen. Das Ziel: ein dauerhaftes Angebot, das Sport, Prävention und soziale Gemeinschaft verbindet.
Ein Rat nach Deutschland
Zum Schluss richtet Christensen noch eine Botschaft an die deutsche Szene: „Startet klein, mit einer Gruppe, und erzählt es Freunden und Bekannten weiter. Nehmt Kontakt zu einem Club auf und macht klar, dass Walking Football eine internationale Sportart ist, die schnell wächst. Es macht Spaß, es tut der Gesundheit gut – und hebt die Lebensqualität.“

