England pfeift ab – warum wir in Deutschland noch zögern

Zwischen Ball, Boden und Regelwerk – Warum „Gehen“ im Gehfußball klare Grenzen braucht

Walking Football oder auf Deutsch Gehfußball ist längst mehr als eine Freizeitidee für ehemalige Kicker. Der Sport wächst in ganz Europa, Vereine und Verbände entdecken ihn als echte Alternative zum schnellen Spiel. Doch mit dem Wachstum wächst auch die Diskussion: Was ist eigentlich „Gehen“ – und wo beginnt ein Regelverstoß?

Ein aktuelles Beispiel sorgt immer wieder für hitzige Debatten auf dem Platz: Ein Spieler stellt den Fuß auf den Ball, verlagert sein Gewicht darauf und setzt den anderen Fuß seitlich versetzt, um in eine bessere Schutzposition zu kommen.

Ist das noch regelkonformes Gehen – oder bereits ein unzulässiger Trick?

Unterschiedliche Auslegung – ein europäisches Problem

In Deutschland gibt es bislang kein einheitliches Regelwerk. Manche Schiedsrichter lassen die Bewegung durchgehen, andere pfeifen konsequent ab. Auch in anderen europäischen Ländern herrscht keine Klarheit. Während die Niederlande und Italien eher lockerer auslegen, gilt in England längst eine klare Linie:

„Ein Fuß muss jederzeit Bodenkontakt haben. Der Ball zählt nicht als Boden.“

Das heißt: Wer sein Gewicht auf den Ball verlagert, verstößt gegen die Grundregel des Gehens.

Szenario: Spieler, der den Ball mit dem Standfuß fixiert und dabei den anderen Fuß seitlich versetzt, um seinen Körper zwischen Gegner und Ball zu bringen.

Ob das ein Regelverstoß ist, hängt stark von der Regelauslegung ab:

Ball als „Standfläche“

    • In vielen Regelwerken ist vorgeschrieben, dass ein Fuß immer Bodenkontakt haben muss.
    • Wenn das Körpergewicht auf den Ball verlagert wird, zählt das nicht mehr als „Bodenkontakt“.
    • → Streng ausgelegt könnte das also als Verstoß gewertet werden.

    Seitliches Versetzen des anderen Fußes

    • Das seitliche Versetzen, um in eine bessere Abwehr- oder Schutzposition zu kommen, ist an sich erlaubt, solange es im Gehen geschieht.
    • Kritisch wird es nur, wenn die Bewegung in ein Hüpfen, Springen oder Laufen übergeht.

    Gefahr oder Fairplay-Aspekt

    • Einige Verbände verbieten explizit das Stehen auf dem Ball, weil die Gefahr besteht, auszurutschen oder den Ball unkontrolliert wegzudrücken → Verletzungsrisiko.
    • In anderen Ligen wird es toleriert, solange die Bewegung kontrolliert und ungefährlich ist.
    • Strenge Auslegung (z. B. FA England): Regelverstoß, da der Ball nicht als Boden gilt.
    • Lockerere Auslegung (z. B. viele deutsche oder niederländische Ligen): erlaubt, solange der Spieler nicht springt, nicht läuft und keine Gefahr entsteht.

    Einwurf des Herausgebers

    England pfeift ab – warum wir in Deutschland noch zögern

    Walking Football ist längst mehr als ein Nischensport für ehemalige Kicker. Die Idee, Fußball im Schritttempo zu spielen, begeistert Menschen in ganz Europa – egal ob jung oder alt, ob ambitioniert oder freizeitorientiert. Doch je mehr der Sport wächst, desto deutlicher zeigt sich ein Problem: die Regeln sind alles andere als einheitlich.

    Ein Beispiel sorgt regelmäßig für Diskussionen: Darf ein Spieler sein Gewicht auf den Ball verlagern und den anderen Fuß seitlich versetzen, um den Körper zwischen Gegner und Ball zu stellen? In England ist die Antwort eindeutig: Nein. Die dortige Regel lautet klar: Ein Fuß muss jederzeit Bodenkontakt haben – und der Ball gilt nicht als Boden. Punkt.

    In Deutschland hingegen herrscht Unsicherheit. Mal wird abgepfiffen, mal nicht. Manche Schiedsrichter winken durch, andere unterbrechen das Spiel. Das Ergebnis: Frust auf dem Platz und endlose Debatten am Spielfeldrand. Genau das aber widerspricht dem Geist des Walking Football. Schließlich geht es hier nicht darum, wer lauter diskutiert, sondern darum, gemeinsam fair zu spielen.

    Es ist höchste Zeit, dass wir auch in Deutschland – und am besten europaweit – zu einer klaren Linie finden. Das englische Modell zeigt, wie es geht: einfach, nachvollziehbar und für alle gleich. Denn wenn die Regeln nicht eindeutig sind, verliert der Sport seine Glaubwürdigkeit.

    Walking Football lebt von Gemeinschaft, Fairness und Spielfluss. Damit das so bleibt, braucht es jetzt den Mut zur Klarheit. England hat es vorgemacht – wir sollten nicht länger zögern.

    „Ein Fuß auf den Boden, beide Augen aufs Spiel – so einfach können Regeln sein.“

    Rolf Allerdissen, Herausgeber GehZeit

    2 Kommentare

    1. Hallo Rolf,
      da gebe ich dir vollkommen recht.
      Klare Regeln:
      Für alle von Vorteil.
      Auf dem Platz und auch neben dem Platz.
      Keine unnötigen Diskussionen mit dem Schiri, der sich voll auf seine wirklichen Aufgaben konzentrieren kann.
      Gruß Ralf

      1. Hallo Ralf,
        vielen Dank für deine Rückmeldung! 🙌
        Du bringst es wunderbar auf den Punkt: Klare Regeln sorgen für Fairness, Ruhe und Respekt – auf dem Platz wie auch daneben. So bleibt der Schiedsrichter in seiner Rolle gestärkt und das Spiel macht allen noch mehr Freude. ⚽👍
        Herzliche Grüße!

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